Asylverfahren

Presseerklärung 28. November 2019

Bundeshaushalt: PRO ASYL prangert Mogelpackung bei der Asylverfahrensberatung an

Die Bundesregierung löst die im Koalitionsvertrag vereinbarte unabhängige Asylverfahrensberatung nicht ein

Anlässlich der Verabschiedung des Bundeshaushalts, kritisiert PRO ASYL, dass die Bundesregierung keine Finanzierung für tatsächlich unabhängige Asylverfahrensberatung vorgesehen hat. Mit dem Hau-ab-Gesetz wurde eine »staatlich unabhängige Asylverfahrensberatung« eingeführt – ein Widerspruch in sich! Die Beteiligung von Wohlfahrtsverbänden und anderen Trägern ist nur als Option angelegt und laut Gesetz ist nur die Übernahme von Sachkosten vorgesehen. Die Befürchtung, dass es keine Bundesgelder für die entscheidenden Personalkosten gibt, bestätigt sich heute mit der Verabschiedung des Bundeshaushalts.

Damit unterläuft die Bundesregierung ihren eigenen Koalitionsvertrag. Darin wurde noch eine »unabhängige und flächendeckende Asylverfahrensberatung« versprochen. Das Angebot des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), welches im nächsten Jahr deutschlandweit eingeführt werden soll, erfüllt diesen Anspruch nicht. Als über die Asylanträge entscheidende Behörde, die im Fall einer Klage Klagegegnerin wäre, ist das BAMF per se nicht unabhängig.

Zudem erfüllt sie entscheidende Funktionen einer Asylverfahrensberatung nicht. BAMF-Berater*innen gehen nicht mit zur Anhörung. Sie beraten nicht dazu, ob das BAMF falsch entschieden hat und ob Rechtsmittel Aussicht auf Erfolg haben. Sie vermitteln nicht an Rechtsanwälte.

Dazu Günter Burkhardt, Geschäftsführer von PRO ASYL: »Die von der Bundesregierung eingeführte Asylverfahrensberatung durch das BAMF ist eine Mogelpackung. Schutzsuchende Menschen, die erst kurze Zeit im Land sind und entsprechend unser Rechtssystem nicht kennen und noch kein Deutsch sprechen, werden so ihre Rechte nicht effektiv wahrnehmen können – zumal die Betroffenen in großen Lagern, wie AnkER-Zentren, isoliert werden. Das ist aus rechtsstaatlicher Sicht höchst problematisch.«

Auch im Hinblick auf die vom 4. bis 6. Dezember 2019 stattfindende Innenministerkonferenz appelliert PRO ASYL an die Bundesländer, bestehende Finanzierung von behördenunabhängiger Asylverfahrensberatung, die eine Rechtsberatung umfasst, beizubehalten oder einzuführen.

Die flüchtlingspolitischen Anliegen von PRO ASYL zur Innenministerkonferenz, mit einem ausführlichen Teil zur Asylverfahrensberatung, finden Sie hier.


Das Recht auf Bildung und Zugang zur Regelschule in Aufnahmeeinrichtungen der Bundesländer –
Rechtsgutachten veröffentlicht

Das Recht und die Pflicht zur Schule zu gehen, ist für Kinder und Jugendliche in Deutschland gesetzlich festgeschrieben und in der Regel alltägliche Normalität. In Bezug auf die vielen geflüchteten Kinder und Jugendlichen in den letzten Jahren galt und gilt Schule nach wie vor als „Integrationsmotor“. Gleichwohl gibt es zahlreiche rechtliche Einschränkungen. Viele Bundesländer regeln, dass die Schulpflicht erst dann greift, wenn nach Ankunft und Einleitung des Asylverfahrens eine Zuweisung der Geflüchteten an die Kommunen erfolgt ist.

Aus dem Rechtsgutachten „Das Recht auf Bildung und Zugang zur Regelschule für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Aufnahmeeinrichtungen der Bundesländer“ (im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbandes von Prof. Dr. Michael Wrase, Stiftung Universität Hildesheim und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) unter Mitarbeit von Maryam Haschemi Yekani, Rechtsanwältin Berlin), geht als Haupterkenntnis hervor, dass die Bundesrepublik und ihre Länder nach den Vorgaben des Völker-, EU- und Verfassungsrechts verpflichtet sind, für minderjährige Kinder von Asylsuchenden den Zugang zum Schul- und Bildungssystem spätestens drei Monate nach Äußerung des Asylbegehrens effektiv sicherzustellen. Entsprechend dem Grundsatz der Inländergleichbehandlung ist damit der Zugang zu den regulären öffentlichen Schulen entsprechend der für Inländer bzw. andere zugewanderte Personen geltenden schulrechtlichen Zugangs- und Eignungsvoraussetzungen gemeint. Aus Sicht des Paritätischen Gesamtverbandes heißt das, dass Familien mit minderjährigen Kindern, zumindest falls in der Aufnahmeeinrichtung keine der Regelschule vergleichbare Beschulung stattfindet, nach 3 Monaten ein gesetzlicher Anspruch auf kommunale Umverteilung in kindgerechte Orte – in der Regel Wohnungen – besteht, um den Zugang zur Regelschule sicherzustellen. Die neue gesetzliche Begrenzung auf maximal 6 Monate Verbleibdauer in Aufnahmeeinrichtungen ist zwar begrüßenswert, darf aber nicht zur regulären Aufenthaltsdauer für Familien mit minderjährigen Kindern werden. Zahlen und Regelungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aufnahmeeinrichtungen in den unterschiedlichen Bundesländern keine kindgerechten Orte sind und ein formal geregelter sechsmonatiger Aufenthalt unter diesen Bedingungen insbesondere für Kinder und Jugendliche aus Kindeswohlaspekten keine Option ist. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass Familien mit ihren Kindern nicht selten wesentlich länger als sechs Monate in den Einrichtungen ausharren.

Das vollständige Gutachten sowie eine Zusammenfassung finden Sie hier:

http://www.der-paritaetische.de/fachinfos/das-recht-auf-bildung-und-zugang-zur-regelschule-fuer-gefluechtete-kinder-und-jugendliche-in-aufnahmee/


Presseinformation, 30. Oktober 2019

Pistorius in Athen und Lesbos: Flüchtlingsrat Niedersachsen fordert nachhaltigen Einsatz des Ministers für die Rechte der Menschen auf der Flucht

Anlässlich des Besuchs von Innenminister Pistorius in Athen und Lesbos fordert der Flüchtlingsrat Niedersachsen die Landesregierung auf, das Scheitern der europäischen Abschottungspolitik anzuerkennen und sich für die Wahrung der Rechte der Menschen auf der Flucht auch an den europäischen Außengrenzen einzusetzen.

Sebastian Rose vom Flüchtlingsrat Niedersachsen:

„Menschen auf der Flucht werden als Spielball zwischen einer auf Abschottung setzenden EU und einer längst diktatorisch agierenden türkischen Regierung aufgerieben, die selbst tagtäglich für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist. Minister Pistorius muss daher das Signal aussenden, die Situation von Schutzsuchenden wirklich nachhaltig verbessern zu wollen.“

Unsere Forderungen

  • Lager schließen – mehr Menschen aus Griechenland aufnehmen
  • EU-Türkei-Deal beenden
  • Neuauflage des Landesaufnahmeprogramms für Syrer_innen
  • Keine weitere Beteiligung von niedersächsischen Beamt_innen an Frontexeinsätzen
1. Lager schließen – mehr Menschen aus Griechenland aufnehmen

Auf den griechischen Inseln und insbesondere im Elendslager Moria zeigt sich deutlich, dass die EU nicht in der Lage ist, an den europäischen Außengrenzen faire Asylverfahren zu gewährleisten und die Rechte von Menschen auf der Flucht zu schützen. In Lagern wie Moria hausen tausende Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Nicht einmal für schwangere Frauen, Familien mit Kindern oder unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gibt es Betten, eine trockene Unterkunft oder eine angemessene medizinische Versorgung. Immer wieder brechen Feuer aus; die in den Lagern untergebrachten Menschen sind zunehmend verzweifelt. Wer heute in Moria einen Asylantrag stellt, erhält Termine für die weitere Bearbeitung für 2021 oder 2022.

Die Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln bestehen seit Jahren, ohne dass sich dort etwas an den verheerenden Bedingungen geändert hätte. Es ist bezeichnend, dass die griechische Regierung Minister Pistorius den Besuch des Camps Moria nicht ermöglichen will – entgegen der vorherigen Planungen. Offenbar soll sich der niedersächsische Innenminister nicht selbst einen Eindruck verschaffen können. Ein Besuch in Moria und Gespräche mit Betroffenen ließe nämlich nur einen Schluss zu: Diese Lager müssen geschlossen und die Menschen umgehend auf andere europäische Staaten verteilt werden. Aber für die EU dienen Lager wie Moria weiterhin als Orte der Abschreckung und Abschottung.

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen fordert die niedersächsische Landesregierung auf, sich für die Aufnahme von Schutzsuchenden von den griechischen Inseln einzusetzen. Die ausgesetzte Verteilung von Geflüchteten aus Griechenland auf andere EU-Staaten muss daher dringend wiederbelebt werden (Relocation im Rahmen des Dublin-Systems), zumal aktuell bei den Verhandlungen auf europäischer Ebene keine grundsätzliche Reform des europäischen Asylsystems erreicht wird. Zudem müssen die deutschen Behörden endlich wieder mehr Familienzusammenführungen aus Griechenland ermöglichen. Solche Maßnahmen wären auch wichtige Zeichen europäischer Solidarität. Derzeit ist der Familiennachzug aus Griechenland nach Deutschland kaum möglich bzw. wird von den Behörden enorm verschleppt.

2. EU-Türkei-Deal beenden

Die Europäische Union muss die Zusammenarbeit mit der Türkei auf Grundlage des EU-Türkei-Deals beenden. Dieser ist einer der Hauptgründe für das Elend, das die EU auf den griechischen Inseln zulässt. Damit hat die EU ihre Abschottung gegenüber Menschen auf der Flucht bekräftigt. Diese Abschottung an den Außengrenzen funktioniert nicht, weil die Verzweiflung und die Not der Menschen weiter unerträglich groß ist.

Die türkische Regierung übt massiv Druck auf alle Schutzsuchenden in der Türkei aus, um sie so rasch wie möglich loszuwerden. Hunderttausende Menschen sollen etwa zwangsweise in die sogenannte „Schutzzone“ im türkisch besetzten Nordsyrien umgesiedelt werden – ein Kriegsgebiet, in dem es für die Menschen keinerlei Schutz gibt. Das ist der Grund, warum gerade jetzt viele Menschen versuchen, die Türkei zu verlassen und über die Ägäis nach Griechenland zu fliehen.

Mit dem EU-Türkei-Deal hat sich die EU in die Abhängigkeit des Diktators Erdogan begeben. Die Türkei ist kein verlässlicher Partner und kein sicherer Drittstaat, sondern verletzt selbst massiv Menschenrechte. Zugleich läuft die Politik der Türkei auf ethnische Säuberungen und Bevölkerungsaustausch in den kurdischen Gebieten Nordsyriens hinaus.

3. Neuauflage des Landesaufnahmeprogramms für Syrer_innen

Statt mehr Abschottung und Lager an den Außengrenzen braucht es mehr Aufnahme von Menschen auf der Flucht, zum Beispiel durch die Erneuerung des 2015 eingestellten niedersächsischen Landesaufnahmeprogramms für Syrer_innen. Die Länder Berlin, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Thüringen machen es vor: Hier laufen weiterhin die Aufnahmeprogramme und bieten damit Familienangehörigen die Möglichkeit, ihre Verwandten aus Syrien nach Deutschland zu holen. Solche Aufnahmeprogramme stellen derzeit die einzige legale Möglichkeit für die dort eingekesselten Menschen dar, bei ihren Verwandten Schutz und Sicherheit zu finden.

Gerade der türkische Angriffskrieg auf Nordsyrien und die Bombenangriffe der syrischen Armee und des russischen Militärs auf Idlib, auch auf viele zivile Einrichtungen, verdeutlichen, wie hoch der Schutzbedarf für die Zivilbevölkerung, die den Menschenrechtsverstößen der Kriegsparteien ausgesetzt ist, weiterhin ist.

Wir erwarten vom niedersächsischen Innenminister Pistorius und der Landesregierung, alles dafür zu tun, die Rechte von Menschen auf der Flucht zu wahren und Aufnahmen in Niedersachsen zu ermöglichen. Ein erster wichtiger Schritt wäre hier eine Neuauflage eines niedersächsischen Landesaufnahmeprogrammes.

4. Keine weitere Beteiligung von niedersächsischen Beamt_innen an Frontexeinsätzen

Niedersächsische Polizist_innen sind seit Anfang 2016 an den Einsätzen der Agentur Frontex in Griechenland beteiligt. Diese übernehmen dabei nach Angaben der Landesregierung abhängig vom Einsatzland im Wesentlichen die Tätigkeitsfelder Grenzüberwachung, Identitätsfeststellung durch die Abnahme von Fingerabdrücken, Befragung und Registrierung, Dokumentenprüfung sowie Rückführung nicht schutzbedürftiger Migrant_innen (sh. Antwort der Landesregierung vom 13. September 2019 auf eine Landtagsanfrage, LT-Drucksache 18/4594).

Dabei werden an den EU-Außengrenzen immer wieder die Grundrechte von Geflüchteten verletzt. Auch Frontex ist bei seinen Einsätzen selbst an Menschenrechtsverstößen beteiligt. Die europäischen Beamt_innen arbeiten in der Ägäis eng mit der türkischen Küstenwache zusammen. Sie setzen dabei Schnellboote, Helikopter, Flugzeuge, Drohnen, Wärmebildkameras und Radargeräte ein.

Regelmäßig kommen flüchtende Menschen in der Meeresenge zu Tode, auch, weil sie von den Küstenwachen rund um die Uhr bedrängt werden. Zuletzt starb vor einer Woche ein kleines Kind, als ein Schiff der griechischen Küstenwache nachts mit einem Fluchtboot zusammenstieß.

Niedersachsen darf sich nicht weiter an den auch lebensbedrohenden Einsätzen von Frontex in Griechenland beteiligen. Minister Pistorius sollte bei seinen Gesprächen vor Ort humanitäre Unterstützung sowie die Aufnahme von Schutzsuchenden anbieten, insbesondere für Menschen, deren Familienangehörige in Niedersachsen leben.

Kontakt

Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Sebastian Rose, Referent der Geschäftsführung
Tel.: 0511 – 98 24 60 34
E-Mail: sr@nds-fluerat.org, nds@nds-fluerat.org


Liebe Interessierte,

1) das BAMF hat seine internen Leitsätze im Umgang mit syrischen Asylsuchenden Mitte März 2019 verschärft, wie aus einer Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Stephan Mayer vom 3. April 2019 auf eine mündliche Frage der Abgeordneten Ulla Jelpke (DIE LINKE.) hervorgeht – diese Antwort findet sich im Anhang (zu Frage 10). Ein der Abgeordneten bekannt gewordener Ablehnungsbescheid war Anlass für die Frage. Demnach gebe es nur noch in Idlib, Teilen Aleppos, Raqqas und Deir ez-Zors Kampfhandlungen, so dass nicht mehr in allen Landesteilen von einem innerstaatlichen bewaffneten Konflikt ausgegangen werden könne. Liegt im Einzelfall keine politische Verfolgung vor, soll demnach künftig nicht mehr generell zumindest ein subsidiärer Schutzstatus, sondern nur noch ein nationaler Abschiebungsschutz erteilt werden. Zwar gilt unverändert ein Abschiebestopp in Bezug auf Syrien und eine reale Durchsetzbarkeit von Abschiebungen nach Syrien ist nicht absehbar. Dennoch ist diese Änderung zur Statusverschlechterung ein weiterer kleiner Schritt zur mittel- und langfristigen Vorbereitung von Abschiebungen nach Syrien, wie sie von Unions- und AfD-PolitikerInnen ja längst gefordert wurden. Nach dem schlechten Vorbild Afghanistans wird auch hier mit scheinbar „sicheren“ Gebieten g earbeite t… Die Konsequenzen der Versagung des subsidiären Schutzstatus sind beträchtlich, z.B.: nicht einmal das eingeschränkte (inzwischen: Gnaden-) Recht auf Familiennachzug für subsidiär Geschützte gilt dann noch, auf die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis besteht nur noch ein „Soll“-Anspruch, für die Dauer des Klageverfahrens würden die Betroffenen weiterhin nur eine Aufenthaltsgestattung erhalten und auch sozialrechtliche Beschränkungen sind die Folge. Nicht zuletzt gelten diese Geflüchteten mit nationalem Abschiebungsverbot im Ausländerzentralregister dann als „abgelehnte Asylsuchende“ – das Lamento der Rechten, wie viele abgelehnte Asylsuchende sich angeblich zu Unrecht in Deutschland aufhalten, wird damit weiter gestärkt. Bei der Antwort der Bundesregierung lässt allerdings der letzte Satz aufhorchen: „Eine Billigung der Hausleitung des BMI“ zur Änderung der BAMF-Leitsätze „liegt noch nicht vor“, heißt es dort. Eine solche öffentliche Distanzierung verwundert, Ulla Jelpke nahm sie jedenfalls zum Anlass, das BMI aufzufordern, dieser Änderung nicht zuzustimmen. Die Funke-Medien-Gruppe berichtet in ihren morgigen Zeitungen über die Änderung der BAMF-Praxis, bereits heute sind die Artikel hierzu online verfügbar (Bezahlschranken): https://www.morgenpost.de/politik/article216911375/Bamf-bewertet-Sicherheitslage-fuer-Syrien-Fluechtlinge-neu.html https://www.wp.de/politik/bamf-bewertet-sicherheitslage-fuer-syrien-fluechtlinge-neu-id216911375.html Die Antwort des Staatssekretärs Mayer ist auch vor dem Hintergrund interessant, dass er nur kurz zuvor im Parlament auf die Frage des AfD-Abgeordneten Rainer Kraft, ob wegen des „weitestgehend beendeten“ Bürgerkriegs in Syrien „die Gegenden“ nicht „weitestgehend befriedet sind“, von einem „außerordentlich instabilen Land“ sprach und weiter erklärte: „Insofern ist aus meiner Sicht und auch aus Sicht der Bundesregierung beileibe nicht davon auszugehen, dass Syrien ein befriedetes Land ist. Es mag sein, dass der Bürgerkrieg nicht mehr in allen Teilen Syriens gleichermaßen tobt, aber es finden nach wie vor Terroranschläge statt, und insbesondere Personen, die in Opposition zur syrischen Regierung stehen, müssen gewärtigen, Opfer von Repressalien und Gewaltanwendungen zu sein.“ Die weitere Statusverschlechterung für syrische Flüchtlinge bedeutet für die Betroffenen eine schwere und unverantwortliche Verunsicherung. In integrationspolitischer Hinsicht ist sie ohnehin fatal.

Dr. Thomas Hohlfeld
Referent für Migration und Integration
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

VG Berlin Urteil vom 24.11.2016 (Aktenzeichen 36 K 58.16 A)

1. Nach dem gescheiterten Putschversuch und der darauffolgenden Ausrufung des Notstands im Juli 2016 hat sich die Lage für politisch aktive Kurdinnen und Kurden noch einmal erheblich verschärft.

2. Wer wegen vermeintlich politischer Straftaten bereits aktenkundig ist, droht bei einer Rückkehr jederzeit wieder in das Visier der Sicherheitskräfte zu geraten, vor allem dann, wenn er sich in der Türkei weiterhin für politische, kulturelle und soziale Rechte der Kurdinnen und Kurden engagieren will.

http://www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de/jportal/portal/t/sck/bs/10/page/sammlung.psml;jsessionid=C0B0CB173A0121C70C07C57D81689E0F.jp22?pid=Dokumentanzeige&showdoccase=1&js_peid=Trefferliste&documentnumber=1&numberofresults=1&fromdoctodoc=yes&doc.id=JURE170025921&doc.part=L&doc.price=0.0&doc.hl=1#focuspoint


Oft wird von einem Geflüchteten die Passbeschaffung gefordert, die letztlich nur über die jeweilige Botschaft des Heimatlandes möglich ist. Gleiches gilt auch für die Verlängerung eines abgelaufenen Nationalpasses.
Von Ausländerbehörden wird dies oft zu Unrecht oder auch nur ohne Berücksichtigung der jeweiligen Situation des Geflüchteten gefordert. Deshalb sind hier die wichtigen Dinge noch einmal zusammengestellt.

berlin-hilft.com-Passbeschaffung Wer muss wer sollte wer darf wer nicht


memorandum-fuer-faire-und-sorgfaeltige-asylverfahren-in-deutschland-2016


Leitfaden für Flüchtlinge in Niedersachsen


Registrierung von Geflüchteten in Niedersachsen

Verschiedenen Arten der Registrierung von Flüchtlingen
(Quelle v.a.: Antwort der Landesregierung auf eine dringl. Anfrage der FDP)

  1. Sobald ein Flüchtling bei einer Unterkunft [Gemeint ist hier: Erstaufnahmeeinrichtung bzw. Notunterkunft] ankommt, wird sein Name und Herkunftsland erfragt und ihm ein provisorischer Hausausweises ausgehändigt. Mit diesem Hausausweis ist ihm ein Schlafplatz zugewiesen und er kann am Essen teilnehmen.
  2. Anschließend erfolgt die Registrierung durch die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen in den Systemen EASY und NIAS. Im Verteilverfahren EASY (Erstverteilung von Asylbegehrenden) werden nur das Geschlecht, Nationalität und Familienverbünde erfasst, um auf dieser Basis automatisiert eine bundesweite Verteilung entsprechend dem Königssteiner Schlüssel vorzunehmen. Dabei wird von EASY eine Fallnummer generiert, die zwingend für die anschließende Registrierung in NIAS (Niedersächsische Ausländersoftware) erforderlich ist. Für die Registrierung in NIAS werden alle weiteren notwendigen personenbezogenen Daten wie Name, Herkunftsland, Geschlecht, Familienstand, Geburtsdatum, Geburtsort, Religion und Sprache erhoben.
    Zusätzlich wird ein Foto gefertigt. Anschließend erhält der Flüchtling die BÜMA (Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender) und den offiziellen Hausausweis.
    Damit ist die Aufnahme in Niedersachsen und damit auch die Aufgabe des Landes Niedersachsen, was die Registrierung angeht, abgeschlossen.
  3. Um den Asylantrag beim BAMF zu stellen, ist es aber zwingend erforderlich, eine weitere  Registrierung und ED-Behandlung im MARIS-System des Bundes vorzunehmen. Problematisch in der aktuellen Lage ist, dass zwischen dem Bundessystem MARIS und dem Landessystem NIAS keinerlei Schnittstelle besteht. Ziel sollte sein, die Registrierung in NIAS und die Registrierung in MARIS, wie in der Vergangenheit auch, gleichzeitig oder an  aufeinanderfolgenden Tagen durchzuführen. Diese zeitliche Nähe ist durch den starken Anstieg der Zugangszahlen nicht mehr gegeben.
    Derzeit werden beispielsweise in Niedersachsen durch das BAMF maximal 1.000 Asylanträge pro Woche entgegengenommen (also Registrierung und ED-Behandlung im Maris-System des Bundes). Dem stehen Tageszugänge von über 1.000 Personen in Niedersachsen gegenüber. Also erhöht sich alleine in Niedersachsen der Rückstand des BAMF um rund 6.000 Personen pro Woche! Ein Flüchtling, der heute in Niedersachsen in NIAS registriert wird, bekommt frühestens im Mai 2016 einen Termin beim BAMF, um seinen Asylantrag stellen zu können.  Mittlerweile verzichtet das BAMF auf die konkrete Terminierung.
    Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.

AsylG Stand 1 11 2015 plus Referentenentwurf Beschleunigtes Verfahren

AufenthG Stand 1 11 2015 plus Referentenentwurf Einführung beschleunigter Asylverfahren

Erlass_Subsidiarität_Härtefallverfahren_§ 25b

Das deutsche Asylverfahren – ausführlich erklärt

das-deutsche-asylverfahren

Schematische Darstellung des Asylverfahrens

Grafik des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge)

schema-ablauf-asylverfahren

Die Anhörung im Asylverfahren
Hinweise für Asylsuchende in Deutschland
Infoblatt_Asyl_dt_2015fin

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