{"id":112,"date":"2015-11-06T12:39:31","date_gmt":"2015-11-06T11:39:31","guid":{"rendered":"http:\/\/incuxhaven.de\/?page_id=112"},"modified":"2025-06-19T10:47:31","modified_gmt":"2025-06-19T08:47:31","slug":"asylverfahren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/incuxhaven.de\/?page_id=112","title":{"rendered":"Asylverfahren"},"content":{"rendered":"<article id=\"post-40618\" class=\"post-40618 post type-post status-publish format-standard hentry category-aktuelles category-pressemitteilungen tag-asylpolitik tag-aufnahmeprogramme tag-dublin-verfahren tag-eu-abschottungspolitik tag-familienzusammenfuehrung tag-menschenrechte\">\n<div class=\"inside-article\">\n<div class=\"entry-content\">\n<div>\n<div id=\"breadcrumb\">\n<div id=\"socialnav_rechts\" class=\"socialnav\">\n<div>\n<header class=\"entry-header\">\n<div class=\"entry-meta\">\n<h4><strong>Gerichte sehen Leistungsausschluss in Dublin-F\u00e4llen als rechtswidrig an: Es gibt schon \u00fcber 40 positive Gerichtsentscheidungen. <\/strong><\/h4>\n<h4><strong>Der St\u00e4dte- und Gemeindebund empfiehlt seinen Mitgliedskommunen, diese zu ignorieren und rechtswidrig zu handeln.<\/strong><\/h4>\n<p>Liebe Kolleg*innen,<\/p>\n<p>immer h\u00e4ufiger streichen Sozial\u00e4mter in Dublin-F\u00e4llen die AsylbLG-Leistungen gem. \u00a7 1 Abs. 4 Nr. 2 AsylbLG vollst\u00e4ndig. Die Leistungsstreichungen d\u00fcrften sowohl verfassungswidrig als auch unionsrechtswidrig sein. In vielen F\u00e4llen sind auch die formalen Voraussetzungen (Anh\u00f6rung, Begr\u00fcndung) nicht erf\u00fcllt. Die freiwillige und selbstbestimmte Ausreisem\u00f6glichkeit in Dublinverfahren besteht nicht. Daher sollte ausnahmslos in jedem Fall einer Leistungsstreichung gem. \u00a7 1 Abs. 4 Nr. 2 AsylbLG Widerspruch eingelegt und ein Eilantrag an das Sozialgericht gestellt werden.<\/p>\n<p>Es gibt mittlerweile mindestens <strong>44 Beschl\u00fcsse<\/strong> von Sozialgerichten, die die Streichung f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt haben. Darunter ist auch eine positive obergerichtliche Entscheidung des LSG Niedersachsen-Bremen.<\/p>\n<p>Hier gibt es eine \u00dcbersicht aller mir bekannten positiven Gerichtsentscheidungen zu diesem Thema: <a href=\"https:\/\/www.ggua.de\/fileadmin\/downloads\/tabellen_und_uebersichten\/Dublin_AsylbLG-Ausschluss.pdf\"> https:\/\/www.ggua.de\/fileadmin\/downloads\/tabellen_und_uebersichten\/Dublin_AsylbLG-Ausschluss.pdf<\/a>. Wenn euch weitere Entscheidungen bekannt sind, schickt sie gern zu, ich werde die \u00dcbersicht m\u00f6glichst aktuell halten.<\/p>\n<p>Trotz dieser eindeutigen Tendenz in der Rechtsprechung hat \u00fcbrigens der Deutsche St\u00e4dte- und Gemeindebund seinen Mitgliedskommunen <a href=\"https:\/\/www.ggua.de\/fileadmin\/downloads\/AsylbLG\/Schreiben_Staedte_und_Gemeindebund.jpg\"> empfohlen<\/a>, die sozialgerichtliche Rechtsprechung zur Unzul\u00e4ssigkeit eines Leistungsausschlusses nach \u00a7 1 Abs. 4 AsylbLG <em>\u201ezur Kenntnis zu nehmen, aber Widerspr\u00fcchen nicht abzuhelfen\u201c. <\/em>Der DStGB begr\u00fcndet dies mit einer Stellungnahme des BMI. Darin sagt das BMI, es gebe bislang nur <em>\u201evereinzelte erstinstanzliche Beschl\u00fcsse\u201c <\/em>gegen den Leistungsausschluss. Wie man rund vier Dutzend eindeutige Gerichtsentscheidungen als \u201evereinzelt\u201c einstufen kann, bleibt das Geheimnis des BMI.<\/p>\n<p>Zum anderen argumentiert das BMI damit, dass Art. 21 der neuen Aufnahmerichtlinie in Deutschland schon vorzeitig umgesetzt worden sei und daher unionsrechtskonform nur im zust\u00e4ndigen Mitgliedsstaat Leistungen bezogen werden k\u00f6nnten. Dass die AMM-VO, auf die Art. 21 der neuen Aufnahmerichtlinie Bezug nimmt und die insofern die Grundlage f\u00fcr die Zust\u00e4ndigkeitskl\u00e4rung darstellt, hingegen noch nicht in Kraft ist, verschweigt das BMI dabei. Auf die verfassungsrechtliche Problematik geht das BMI nat\u00fcrlich auch mit keinem Wort ein, und auch nicht auf die Frage, wie mit einem vollst\u00e4ndigen Leistungsausschluss die Vorgaben der EMRK eingehalten werden sollen. Es verweist vielmehr \u201eim \u00dcbrigen\u201c auf das f\u00fcr AsylbLG zust\u00e4ndige BMAS.<\/p>\n<p>Hoch bedenklich ist, dass der St\u00e4dte- und Gemeindebund mit dem Schreiben seinen Mitgliedskommunen empfiehlt, sehenden Auges rechtswidrig zu handeln. Die Kommunen sollten bei ihrem Spitzenverband mal kritisch hinterfragen, ob das eigentlich in ihrem Sinne sein kann.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0 Hier die Liste der Gerichtsentscheidungen, die den Leistungsausschluss in Dublin-F\u00e4llen f\u00fcr unzul\u00e4ssig halten: <a href=\"https:\/\/www.ggua.de\/fileadmin\/downloads\/tabellen_und_uebersichten\/Dublin_AsylbLG-Ausschluss.pdf\">https:\/\/www.ggua.de\/fileadmin\/downloads\/tabellen_und_uebersichten\/Dublin_AsylbLG-Ausschluss.pdf<\/a><\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n<p>Claudius<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Claudius Voigt (Pronomen: er)<br \/>\nProjekt Q \u2013 B\u00fcro zur Qualifizierung der Fl\u00fcchtlings- und Migrationsberatung<\/p>\n<p>Tel.: 0251 14486 \u2013 26<br \/>\nMob.: 01578\u00a0 0497423<\/p>\n<p>Gemeinn\u00fctzige Gesellschaft zur Unterst\u00fctzung Asylsuchender e. V.<br \/>\nHafenstra\u00dfe 3 &#8211; 5<br \/>\n48153 M\u00fcnster<\/p>\n<p>Tel.: 0251 14486 \u2013 0<br \/>\nFax: 0251 14486 \u2013 10<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ggua.de\/\">www.ggua.de<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Presseerkl\u00e4rung<\/strong><\/p>\n<p><strong>20. Mai 2025<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Vorschlag der EU-Kommission: Kommt das EU-Ruanda-Modell? <\/strong><\/h3>\n<p><strong>PRO ASYL kritisiert das Vorhaben der Europ\u00e4ischen Kommission und der deutschen Bundesregierung, bei Abschiebungen das bislang verpflichtende Verbindungskriterium f\u00fcr &#8222;sichere Drittstaaten&#8220; streichen zu wollen. Das ist nicht weniger als der Versuch, sich aus dem Fl\u00fcchtlingsschutz zur\u00fcckzuziehen.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXG\"> EU-Kommission hat heute angek\u00fcndigt<\/a>, das sogenannte Verbindungskriterium abschaffen zu wollen. Dieses bestimmt bisher im EU-Recht, dass es eine pers\u00f6nliche Verbindung zwischen Fl\u00fcchtlingen und angeblich f\u00fcr sie &#8222;sicheren Drittstaaten&#8220; geben muss, damit ihr Asylantrag in der EU als unzul\u00e4ssig abgelehnt und sie in das Land abgeschoben werden k\u00f6nnen. Zuk\u00fcnftig sollen die Mitgliedstaaten hiervon ganz absehen oder den Transit f\u00fcr ausreichend erachten k\u00f6nnen. Die Mitgliedstaaten m\u00fcssten dann nur entsprechende Vereinbarungen mit den Drittstaaten treffen, die sicherstellen sollen, dass der Asylantrag der betroffenen Person dort bearbeitet wird. Auch die Bundesregierung bef\u00fcrwortet in ihrem <a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXK\"> Koalitionsvertrag<\/a> eine Streichung des Verbindungselements.<\/span><\/p>\n<p>&#8222;Wenn das verpflichtende Verbindungskriterium wie von der Kommission vorgeschlagen und mit R\u00fcckenwind der neuen deutschen Bundesregierung aus den europ\u00e4ischen Rechtstexten entfernt w\u00fcrde, k\u00f6nnten Asylsuchende k\u00fcnftig in L\u00e4nder gebracht werden, in denen sie nie zuvor waren und zu denen sie keine Verbindung haben. Das ist pure Willk\u00fcr!&#8220;, so Wiebke Judith, rechtspolitische Sprecherin von PRO ASYL.<br \/>\nDiese \u00c4nderung w\u00fcrde es EU-Mitgliedstaaten erm\u00f6glichen, Modelle wie den ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten UK-Ruanda-Deal, bei dem Asylverfahren in L\u00e4nder au\u00dferhalb Europas ausgelagert werden sollen, anzuwenden. &#8222;Solche Ans\u00e4tze sind nicht nur rechtlich h\u00f6chst fragw\u00fcrdig, realistisch kaum umsetzbar und politisch unverantwortlich, sondern auch zutiefst unmenschlich. Das Europ\u00e4ische Parlament sollte die Streichung des verpflichtenden Verbindungskriteriums ablehnen!&#8220;<br \/>\nDie Kommission schl\u00e4gt zudem vor, die aufschiebende Wirkung von Klagen gegen die Ablehnung des Asylantrags aufgrund der Anwendung des &#8222;sicheren Drittstaaten&#8220;-Konzepts zu streichen. Eine aufschiebende Wirkung der Klage verhindert eine Abschiebung, w\u00e4hrend das Klageverfahren noch l\u00e4uft. &#8222;Das w\u00fcrde de facto eine weitere Entrechtung von Schutzsuchenden bedeuten, die sich dann noch schwerer gegen die Ablehnung ihres Asylantrags wehren k\u00f6nnten.&#8220;<br \/>\nDie standardm\u00e4\u00dfige Anwendung des Konzepts der &#8222;sicheren Drittstaaten&#8220; w\u00e4re ein frontaler Angriff auf den <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXO\"> Fl\u00fcchtlingsschutz<\/a> in Europa. PRO ASYL lehnt das Konzept von &#8222;sicheren Drittstaaten&#8220; grunds\u00e4tzlich ab und kritisiert die Ausweitung des Konzeptes durch die <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXS\"> GEAS-Reform<\/a>. Schon jetzt werden rund drei Viertel der weltweiten Fl\u00fcchtlinge von armen oder einkommensschwachen L\u00e4ndern \u2013 vor allem im globalen S\u00fcden \u2013 aufgenommen.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDie neue <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXW\"> Asylverfahrensverordnung<\/a> sieht vor, dass die Regelung zu den sogenannten sicheren Drittstaaten bis zum Juni 2025 evaluiert und eventuell angepasst wird. Mehrere Mitgliedstaaten \u2013 und mit dem neuen Koalitionsvertrag nun auch die Bundesregierung \u2013 fordern, das sogenannte <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXa\"> Verbindungskriterium<\/a> zu streichen, um Asylsuchende auch in L\u00e4nder abschieben zu k\u00f6nnen, in denen sie noch nie waren. Als ausreichend wird bislang eine Verbindung mit der asylsuchenden Person und dem Drittstaat gesehen, wenn sie sich einige Zeit in dem Land aufgehalten hat. Das Europ\u00e4ische Parlament muss der \u00c4nderung der Rechtstexte ebenso zustimmen wie die Mitgliedstaaten im Rat der EU.<br \/>\nDas Vorhaben, die Verantwortung f\u00fcr Asylverfahren an angeblich sichere Drittstaaten auszulagern, ist rechtlich h\u00f6chst fragw\u00fcrdig, realistisch kaum umsetzbar und politisch unverantwortlich. Solche Versuche f\u00fchren zu viel Leid, sind extrem teuer, schaffen Abh\u00e4ngigkeiten von Drittstaaten und sind meistens zum Scheitern verurteilt. Das hat PRO ASYL bereits im vergangenen Jahr in einer <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXe\"> Stellungnahme <\/a>im Rahmen der <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXi\"> Sachverst\u00e4ndigenanh\u00f6rungen <\/a>des Bundesinnenministeriums (BMI) dargelegt. Eine deutliche <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLIXm\"> Mehrheit der geladenen Expert*innen<\/a> zeigte sich damals kritisch und <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLInC\"> lehnte die diskutierten Modelle zur Auslagerung von Asylverfahren ab<\/a>. Dies zeigt auch der <a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3DZy~GDDKnSb5pF-zwDIVOVuAqAojgL2wegvYHnHJIbKEpGvyUy.0.lv1I2hidD3nu1AXHDLInG\"> Abschlussbericht des Bundesinnenministeriums<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"layout--no-margin-bottom layout layout--onecol\">\n<div class=\"layout__content-wrapper\">\n<div class=\"layout__region layout__region--content\">\n<section class=\"free-text\">\n<div class=\"free-text__body\">\n<p><span lang=\"DE-DE\">Viele unserer Patient*innen sind auf der Flucht. Sie sto\u00dfen zunehmend auf militarisierte Grenzen und schwindende Solidarit\u00e4t der Staatengemeinschaft. Wir beobachten, dass Grundrechte wie das Recht auf Asyl immer offener infrage gestellt werden. Politiker*innen \u2013 auch in Deutschland \u2013 nutzen zunehmend eine Rhetorik, die Schutzsuchende als Bedrohung der inneren Sicherheit darstellt und nicht als Individuen mit W\u00fcrde und Rechten. Diese schleichende Entmenschlichung ebnet den Weg f\u00fcr Ausgrenzung, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2 id=\"was-die-neue-migrationspolitik-fur-schutzsuchende-bedeutet\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>Was die neue Migrationspolitik f\u00fcr Schutzsuchende bedeutet<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Die ersten Tage der neuen Bundesregierung zeigen: Mit der ausgerufenen \u201eMigrationswende\u201c ist dieser Trend nun auch offiziell in Deutschland angekommen. Schutzsuchende werden an deutschen Grenzen abgewiesen, Resettlement und humanit\u00e4re Aufnahmeprogramme sollen weitgehend beendet, Asylverfahren au\u00dferhalb Europas ausgelagert werden.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">F\u00fcr eine humanit\u00e4re Organisation wie \u00c4rzte ohne Grenzen, die weltweit Menschen auf der Flucht medizinisch versorgt, ist klar: Diese Politik hat direkte und teils schwerwiegende Folgen f\u00fcr die Gesundheit, Sicherheit und W\u00fcrde der Betroffenen.<\/span><\/p>\n<h3 id=\"1-pushbacks-an-deutschen-grenzen-gefahr-fur-leib-und-leben\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>1. Pushbacks an deutschen Grenzen: Gefahr f\u00fcr Leib und Leben<\/strong><\/span><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Kaum war die neue Bundesregierung im Amt, schon gab der Innenminister eine Weisung aus, die der Bundespolizei erlaubt, Schutzsuchende an deutschen Grenzen zur\u00fcckzuweisen. Seitdem finden <\/span><span class=\"ckeditor-tooltip-text\" data-tippy-content=\"&lt;span class=&quot;tooltip-title&quot;&gt;&lt;\/span&gt;Als Pushbacks bezeichnet man das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen oder Zur\u00fcckschieben von Gefl\u00fcchteten kurz nach dem Grenz\u00fcbertritt, ohne jede Pr\u00fcfung der Asylgr\u00fcnde.\" data-tooltip-title=\"\" data-tooltip-content=\"Als Pushbacks bezeichnet man das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen oder Zur\u00fcckschieben von Gefl\u00fcchteten kurz nach dem Grenz\u00fcbertritt, ohne jede Pr\u00fcfung der Asylgr\u00fcnde.\" data-tooltip-placeholder-is-selection=\"true\" data-tooltip-placeholder-is-selection-text=\"Pushbacks\" data-tooltip-data=\"%5B%7B%22tooltipTitle%22%3A%22%22%2C%22tooltipContent%22%3A%22Als%20Pushbacks%20bezeichnet%20man%20das%20Zur%C3%BCckdr%C3%A4ngen%20oder%20Zur%C3%BCckschieben%20von%20Gefl%C3%BCchteten%20kurz%20nach%20dem%20Grenz%C3%BCbertritt%2C%20ohne%20jede%20Pr%C3%BCfung%20der%20Asylgr%C3%BCnde.%22%2C%22placeholderIsSelection%22%3A%22true%22%2C%22placeholderIsSelectionText%22%3A%22Pushbacks%22%7D%5D\" aria-expanded=\"false\">Pushbacks<\/span><span lang=\"DE-DE\"> an deutschen Grenzen statt:\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Schutzsuchende Menschen werden kurz nach dem Grenz\u00fcbertritt zur\u00fcckgewiesen \u2013 ohne \u00a0individuelle Pr\u00fcfung der Asylgr\u00fcnde. Die Bundespolizei betont, dass besonders schutzbed\u00fcrftige Personen \u2013 etwa Schwangere, Kranke oder unbegleitete Minderj\u00e4hrige \u2013 nicht zur\u00fcckgewiesen werden. Doch wie sollen Grenzbeamt*innen ad hoc an der Grenze feststellen, ob jemand schwer traumatisiert, krank oder schwanger ist?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Die gesundheitlichen Folgen von Pushbacks sehen wir bereits an der polnisch-belarussischen Grenzen, wo die polnische Regierung das Asylrecht ausgesetzt hat und mit Gewalt Menschen zur\u00fcckdr\u00e4ngt. Unsere Teams dort behandeln Menschen mit Bluterg\u00fcssen, Hundebissen, Knochenbr\u00fcchen und Schnittverletzungen. In vielen Regionen der Welt sehen wir, wie Grenzgewalt zum Alltag wird \u2013 und humanit\u00e4re Hilfe systematisch erschwert oder verhindert wird: Die USA verweigern Menschen zunehmend den Zugang zu fairen Asylverfahren. Auf den griechischen Inseln werden Menschen in Schlauchbooten von maskierten M\u00e4nnern abgefangen, beschimpft, gefesselt, geschlagen und ihrer pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde beraubt. Die libysche K\u00fcstenwache verschleppt mit der Hilfe Europas Schutzsuchende in Seenot zur\u00fcck ins unsichere Libyen, und an der Grenze zwischen Algerien und Niger werden Menschen ohne Wasser und Nahrung in der W\u00fcste ausgesetzt.<\/span><\/p>\n<h3 id=\"2-perspektivlosigkeit-fur-besonders-gefahrdete-menschen\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>2. Perspektivlosigkeit f\u00fcr besonders gef\u00e4hrdete Menschen\u00a0<\/strong><\/span><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Der Koalitionsvertrag sieht vor, freiwillige Aufnahmeprogramme so weit wie m\u00f6glich zu beenden. Das k\u00f6nnte auch das UN-Resettlement-Programm betreffen, das besonders gef\u00e4hrdeten Menschen in Krisenregionen einen sicheren und geordneten Zugang zu Schutz in Deutschland erm\u00f6glicht, wenn sie vor Ort keinen ausreichenden Schutz erhalten beziehungsweise wenn der dauerhafte Verbleib dort nicht zumutbar erscheint.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Das Streichen dieser Programme ist ein Schritt in die falsche Richtung und nimmt besonders <\/span><span class=\"ckeditor-tooltip-text\" data-tippy-content=\"&lt;span class=&quot;tooltip-title&quot;&gt;&lt;\/span&gt;Besonders schutzbed\u00fcrftig sind beispielsweise Personen mit besonderem medizinischem Behandlungsbedarf, Opfer von Gewalt und Folter oder Personen, die aufgrund ihres Geschlechts von spezifischen Schutz- beziehungsweise Sicherheitsproblemen betroffen sind, aber auch Kinder und \u00e4ltere Menschen.\" data-tooltip-title=\"\" data-tooltip-content=\"Besonders schutzbed\u00fcrftig sind beispielsweise Personen mit besonderem medizinischem Behandlungsbedarf, Opfer von Gewalt und Folter oder Personen, die aufgrund ihres Geschlechts von spezifischen Schutz- beziehungsweise Sicherheitsproblemen betroffen sind, aber auch Kinder und \u00e4ltere Menschen.\" data-tooltip-placeholder-is-selection=\"true\" data-tooltip-placeholder-is-selection-text=\"gef\u00e4hrdeten Menschen\" data-tooltip-data=\"%5B%7B%22tooltipTitle%22%3A%22%22%2C%22tooltipContent%22%3A%22Besonders%20schutzbed%C3%BCrftig%20sind%20beispielsweise%20Personen%20mit%20besonderem%20medizinischem%20Behandlungsbedarf%2C%20Opfer%20von%20Gewalt%20und%20Folter%20oder%20Personen%2C%20die%20aufgrund%20ihres%20Geschlechts%20von%20spezifischen%20Schutz-%20beziehungsweise%20Sicherheitsproblemen%20betroffen%20sind%2C%20aber%20auch%20Kinder%20und%20%C3%A4ltere%20Menschen.%22%2C%22placeholderIsSelection%22%3A%22true%22%2C%22placeholderIsSelectionText%22%3A%22gef%C3%A4hrdeten%20Menschen%22%7D%5D\" aria-expanded=\"false\">gef\u00e4hrdeten Menschen<\/span><span lang=\"DE-DE\"> die Perspektive auf ein Leben in Sicherheit.<\/span><a href=\"https:\/\/www.msf.org\/libya-msf-calls-evacuation-most-vulnerable-migrants-safe-countries\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span lang=\"DE-DE\"><u> Es braucht mehr sichere Wege<\/u><\/span><\/a><span lang=\"DE-DE\"> f\u00fcr besonders schutzbed\u00fcrftige Fl\u00fcchtlinge, nicht weniger. Zum Beispiel aus L\u00e4ndern wie Libyen, wo Gefl\u00fcchtete und Migrant*innen h\u00e4ufig in einem System aus <\/span><a href=\"https:\/\/www.msf.org\/msf-report-abuse-abu-salim-and-ain-zara-detention-centres-libya\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span lang=\"DE-DE\"><u>Internierungslagern<\/u><\/span><\/a><span lang=\"DE-DE\">, Zwangsarbeit, Folter und Erpressung gefangen sind.\u00a0<\/span><\/p>\n<h3 id=\"3-asylverfahren-auslagern-auf-kosten-von-gesundheit-und-menschen\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>3. Asylverfahren auslagern auf Kosten von Gesundheit und Menschenrechten<\/strong><\/span><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Der Koalitionsvertrag belegt zudem, dass die neue Bundesregierung entgegen <\/span><a href=\"https:\/\/www.aerzte-ohne-grenzen.de\/unsere-arbeit\/blog\/migration-menschen-schuetzen-statt-auslagern\"><span class=\"ckeditor-tooltip-text\" data-tippy-content=\"&lt;span class=&quot;tooltip-title&quot;&gt;&lt;\/span&gt;Vergangenes Jahr wurden wir als medizinische Organisation von der Bundesregierung als Sachverst\u00e4ndige zur Idee der Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten angefragt. Der k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Abschlussbericht best\u00e4tigt, was wir seit Langem sagen: Die Idee ist rechtlich fragw\u00fcrdig, verursacht hohe Kosten und ist in der Praxis kaum umsetzbar. Menschen, die nie zuvor in diesem Drittstaat waren, sollen dorthin \u201everbracht\u201c werden \u2013 gegen ihren Willen. Was das f\u00fcr ihre psychische und k\u00f6rperliche Gesundheit bedeutet, zeigen unsere medizinischen Daten.\" data-tooltip-title=\"\" data-tooltip-content=\"Vergangenes Jahr wurden wir als medizinische Organisation von der Bundesregierung als Sachverst\u00e4ndige zur Idee der Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten angefragt. Der k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Abschlussbericht best\u00e4tigt, was wir seit Langem sagen: Die Idee ist rechtlich fragw\u00fcrdig, verursacht hohe Kosten und ist in der Praxis kaum umsetzbar. Menschen, die nie zuvor in diesem Drittstaat waren, sollen dorthin \u201everbracht\u201c werden \u2013 gegen ihren Willen. Was das f\u00fcr ihre psychische und k\u00f6rperliche Gesundheit bedeutet, zeigen unsere medizinischen Daten.\" data-tooltip-placeholder-is-selection=\"true\" data-tooltip-placeholder-is-selection-text=\"besseren Wissens\" data-tooltip-data=\"%5B%7B%22tooltipTitle%22%3A%22%22%2C%22tooltipContent%22%3A%22Vergangenes%20Jahr%20wurden%20wir%20als%20medizinische%20Organisation%20von%20der%20Bundesregierung%20als%20Sachverst%C3%A4ndige%20zur%20Idee%20der%20Auslagerung%20von%20Asylverfahren%20in%20Drittstaaten%20angefragt.%20Der%20k%C3%BCrzlich%20ver%C3%B6ffentlichte%20Abschlussbericht%20best%C3%A4tigt%2C%20was%20wir%20seit%20Langem%20sagen%3A%20Die%20Idee%20ist%20rechtlich%20fragw%C3%BCrdig%2C%20verursacht%20hohe%20Kosten%20und%20ist%20in%20der%20Praxis%20kaum%20umsetzbar.%20Menschen%2C%20die%20nie%20zuvor%20in%20diesem%20Drittstaat%20waren%2C%20sollen%20dorthin%20%E2%80%9Everbracht%E2%80%9C%20werden%20%E2%80%93%20gegen%20ihren%20Willen.%20Was%20das%20f%C3%BCr%20ihre%20psychische%20und%20k%C3%B6rperliche%20Gesundheit%20bedeutet%2C%20zeigen%20unsere%20medizinischen%20Daten.%22%2C%22placeholderIsSelection%22%3A%22true%22%2C%22placeholderIsSelectionText%22%3A%22besseren%20Wissens%22%7D%5D\" aria-expanded=\"false\">besserem Wissen<\/span><\/a><span lang=\"DE-DE\"> versucht, durch die europ\u00e4ische Hintert\u00fcr die Idee der Auslagerung von Asylverfahren weiter zu verfolgen: Das Konzept der sicheren Drittstaaten soll ge\u00e4ndert werden und damit w\u00fcrde es m\u00f6glich, Menschen in Drittstaaten zu verbringen \u2013 auch wenn sie dort weder zuvor gelebt oder sonstige Verbindung zu diesem Land haben. Die Wortwahl im Koalitionsvertrag mag sich ge\u00e4ndert haben \u2013 statt \u201eAuslagerung\u201c ist nun von \u201eVerbringung\u201c die Rede \u2013 doch an der Praxis und ihren gravierenden Folgen f\u00fcr die Menschen \u00e4ndert sich nichts.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Die Regierung sollte ihren eigenen Bericht zum Thema ernst nehmen, zu dem auch \u00c4rzte ohne Grenzen <\/span><a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/veroeffentlichungen\/2024\/mpk\/mpk-drittstaat_stellungnahme-braunsdorf.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span lang=\"DE-DE\"><u>medizinische Daten<\/u><\/span><\/a><span lang=\"DE-DE\"> beigesteuert hat. Der Ansatz der Auslagerung von Asylverfahren ist nicht nur rechtlich fragw\u00fcrdig, extrem teuer und in der Praxis kaum umsetzbar, sondern hat auch schwerwiegende Folgen f\u00fcr die psychische und physische Gesundheit der Menschen.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h3><strong>\u00c4rzte ohne Grenzen:<\/strong><\/h3>\n<div class=\"layout--no-margin-bottom layout layout--onecol\">\n<div class=\"layout__content-wrapper\">\n<div class=\"layout__region layout__region--content\">\n<section class=\"free-text\">\n<div class=\"free-text__body\">\n<p><span lang=\"DE-DE\">Viele unserer Patient*innen sind auf der Flucht. Sie sto\u00dfen zunehmend auf militarisierte Grenzen und schwindende Solidarit\u00e4t der Staatengemeinschaft. Wir beobachten, dass Grundrechte wie das Recht auf Asyl immer offener infrage gestellt werden. Politiker*innen \u2013 auch in Deutschland \u2013 nutzen zunehmend eine Rhetorik, die Schutzsuchende als Bedrohung der inneren Sicherheit darstellt und nicht als Individuen mit W\u00fcrde und Rechten. Diese schleichende Entmenschlichung ebnet den Weg f\u00fcr Ausgrenzung, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2 id=\"was-die-neue-migrationspolitik-fur-schutzsuchende-bedeutet\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>Was die neue Migrationspolitik f\u00fcr Schutzsuchende bedeutet<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Die ersten Tage der neuen Bundesregierung zeigen: Mit der ausgerufenen \u201eMigrationswende\u201c ist dieser Trend nun auch offiziell in Deutschland angekommen. Schutzsuchende werden an deutschen Grenzen abgewiesen, Resettlement und humanit\u00e4re Aufnahmeprogramme sollen weitgehend beendet, Asylverfahren au\u00dferhalb Europas ausgelagert werden.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">F\u00fcr eine humanit\u00e4re Organisation wie \u00c4rzte ohne Grenzen, die weltweit Menschen auf der Flucht medizinisch versorgt, ist klar: Diese Politik hat direkte und teils schwerwiegende Folgen f\u00fcr die Gesundheit, Sicherheit und W\u00fcrde der Betroffenen.<\/span><\/p>\n<h3 id=\"1-pushbacks-an-deutschen-grenzen-gefahr-fur-leib-und-leben\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>1. Pushbacks an deutschen Grenzen: Gefahr f\u00fcr Leib und Leben<\/strong><\/span><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Kaum war die neue Bundesregierung im Amt, schon gab der Innenminister eine Weisung aus, die der Bundespolizei erlaubt, Schutzsuchende an deutschen Grenzen zur\u00fcckzuweisen. Seitdem finden <\/span><span class=\"ckeditor-tooltip-text\" data-tippy-content=\"&lt;span class=&quot;tooltip-title&quot;&gt;&lt;\/span&gt;Als Pushbacks bezeichnet man das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen oder Zur\u00fcckschieben von Gefl\u00fcchteten kurz nach dem Grenz\u00fcbertritt, ohne jede Pr\u00fcfung der Asylgr\u00fcnde.\" data-tooltip-title=\"\" data-tooltip-content=\"Als Pushbacks bezeichnet man das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen oder Zur\u00fcckschieben von Gefl\u00fcchteten kurz nach dem Grenz\u00fcbertritt, ohne jede Pr\u00fcfung der Asylgr\u00fcnde.\" data-tooltip-placeholder-is-selection=\"true\" data-tooltip-placeholder-is-selection-text=\"Pushbacks\" data-tooltip-data=\"%5B%7B%22tooltipTitle%22%3A%22%22%2C%22tooltipContent%22%3A%22Als%20Pushbacks%20bezeichnet%20man%20das%20Zur%C3%BCckdr%C3%A4ngen%20oder%20Zur%C3%BCckschieben%20von%20Gefl%C3%BCchteten%20kurz%20nach%20dem%20Grenz%C3%BCbertritt%2C%20ohne%20jede%20Pr%C3%BCfung%20der%20Asylgr%C3%BCnde.%22%2C%22placeholderIsSelection%22%3A%22true%22%2C%22placeholderIsSelectionText%22%3A%22Pushbacks%22%7D%5D\" aria-expanded=\"false\">Pushbacks<\/span><span lang=\"DE-DE\"> an deutschen Grenzen statt:\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Schutzsuchende Menschen werden kurz nach dem Grenz\u00fcbertritt zur\u00fcckgewiesen \u2013 ohne \u00a0individuelle Pr\u00fcfung der Asylgr\u00fcnde. Die Bundespolizei betont, dass besonders schutzbed\u00fcrftige Personen \u2013 etwa Schwangere, Kranke oder unbegleitete Minderj\u00e4hrige \u2013 nicht zur\u00fcckgewiesen werden. Doch wie sollen Grenzbeamt*innen ad hoc an der Grenze feststellen, ob jemand schwer traumatisiert, krank oder schwanger ist?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Die gesundheitlichen Folgen von Pushbacks sehen wir bereits an der polnisch-belarussischen Grenzen, wo die polnische Regierung das Asylrecht ausgesetzt hat und mit Gewalt Menschen zur\u00fcckdr\u00e4ngt. Unsere Teams dort behandeln Menschen mit Bluterg\u00fcssen, Hundebissen, Knochenbr\u00fcchen und Schnittverletzungen. In vielen Regionen der Welt sehen wir, wie Grenzgewalt zum Alltag wird \u2013 und humanit\u00e4re Hilfe systematisch erschwert oder verhindert wird: Die USA verweigern Menschen zunehmend den Zugang zu fairen Asylverfahren. Auf den griechischen Inseln werden Menschen in Schlauchbooten von maskierten M\u00e4nnern abgefangen, beschimpft, gefesselt, geschlagen und ihrer pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde beraubt. Die libysche K\u00fcstenwache verschleppt mit der Hilfe Europas Schutzsuchende in Seenot zur\u00fcck ins unsichere Libyen, und an der Grenze zwischen Algerien und Niger werden Menschen ohne Wasser und Nahrung in der W\u00fcste ausgesetzt.<\/span><\/p>\n<h3 id=\"2-perspektivlosigkeit-fur-besonders-gefahrdete-menschen\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>2. Perspektivlosigkeit f\u00fcr besonders gef\u00e4hrdete Menschen\u00a0<\/strong><\/span><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Der Koalitionsvertrag sieht vor, freiwillige Aufnahmeprogramme so weit wie m\u00f6glich zu beenden. Das k\u00f6nnte auch das UN-Resettlement-Programm betreffen, das besonders gef\u00e4hrdeten Menschen in Krisenregionen einen sicheren und geordneten Zugang zu Schutz in Deutschland erm\u00f6glicht, wenn sie vor Ort keinen ausreichenden Schutz erhalten beziehungsweise wenn der dauerhafte Verbleib dort nicht zumutbar erscheint.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Das Streichen dieser Programme ist ein Schritt in die falsche Richtung und nimmt besonders <\/span><span class=\"ckeditor-tooltip-text\" data-tippy-content=\"&lt;span class=&quot;tooltip-title&quot;&gt;&lt;\/span&gt;Besonders schutzbed\u00fcrftig sind beispielsweise Personen mit besonderem medizinischem Behandlungsbedarf, Opfer von Gewalt und Folter oder Personen, die aufgrund ihres Geschlechts von spezifischen Schutz- beziehungsweise Sicherheitsproblemen betroffen sind, aber auch Kinder und \u00e4ltere Menschen.\" data-tooltip-title=\"\" data-tooltip-content=\"Besonders schutzbed\u00fcrftig sind beispielsweise Personen mit besonderem medizinischem Behandlungsbedarf, Opfer von Gewalt und Folter oder Personen, die aufgrund ihres Geschlechts von spezifischen Schutz- beziehungsweise Sicherheitsproblemen betroffen sind, aber auch Kinder und \u00e4ltere Menschen.\" data-tooltip-placeholder-is-selection=\"true\" data-tooltip-placeholder-is-selection-text=\"gef\u00e4hrdeten Menschen\" data-tooltip-data=\"%5B%7B%22tooltipTitle%22%3A%22%22%2C%22tooltipContent%22%3A%22Besonders%20schutzbed%C3%BCrftig%20sind%20beispielsweise%20Personen%20mit%20besonderem%20medizinischem%20Behandlungsbedarf%2C%20Opfer%20von%20Gewalt%20und%20Folter%20oder%20Personen%2C%20die%20aufgrund%20ihres%20Geschlechts%20von%20spezifischen%20Schutz-%20beziehungsweise%20Sicherheitsproblemen%20betroffen%20sind%2C%20aber%20auch%20Kinder%20und%20%C3%A4ltere%20Menschen.%22%2C%22placeholderIsSelection%22%3A%22true%22%2C%22placeholderIsSelectionText%22%3A%22gef%C3%A4hrdeten%20Menschen%22%7D%5D\" aria-expanded=\"false\">gef\u00e4hrdeten Menschen<\/span><span lang=\"DE-DE\"> die Perspektive auf ein Leben in Sicherheit.<\/span><a href=\"https:\/\/www.msf.org\/libya-msf-calls-evacuation-most-vulnerable-migrants-safe-countries\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span lang=\"DE-DE\"><u> Es braucht mehr sichere Wege<\/u><\/span><\/a><span lang=\"DE-DE\"> f\u00fcr besonders schutzbed\u00fcrftige Fl\u00fcchtlinge, nicht weniger. Zum Beispiel aus L\u00e4ndern wie Libyen, wo Gefl\u00fcchtete und Migrant*innen h\u00e4ufig in einem System aus <\/span><a href=\"https:\/\/www.msf.org\/msf-report-abuse-abu-salim-and-ain-zara-detention-centres-libya\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span lang=\"DE-DE\"><u>Internierungslagern<\/u><\/span><\/a><span lang=\"DE-DE\">, Zwangsarbeit, Folter und Erpressung gefangen sind.\u00a0<\/span><\/p>\n<h3 id=\"3-asylverfahren-auslagern-auf-kosten-von-gesundheit-und-menschen\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>3. Asylverfahren auslagern auf Kosten von Gesundheit und Menschenrechten<\/strong><\/span><strong>\u00a0<\/strong><\/h3>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Der Koalitionsvertrag belegt zudem, dass die neue Bundesregierung entgegen <\/span><a href=\"https:\/\/www.aerzte-ohne-grenzen.de\/unsere-arbeit\/blog\/migration-menschen-schuetzen-statt-auslagern\"><span class=\"ckeditor-tooltip-text\" data-tippy-content=\"&lt;span class=&quot;tooltip-title&quot;&gt;&lt;\/span&gt;Vergangenes Jahr wurden wir als medizinische Organisation von der Bundesregierung als Sachverst\u00e4ndige zur Idee der Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten angefragt. Der k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Abschlussbericht best\u00e4tigt, was wir seit Langem sagen: Die Idee ist rechtlich fragw\u00fcrdig, verursacht hohe Kosten und ist in der Praxis kaum umsetzbar. Menschen, die nie zuvor in diesem Drittstaat waren, sollen dorthin \u201everbracht\u201c werden \u2013 gegen ihren Willen. Was das f\u00fcr ihre psychische und k\u00f6rperliche Gesundheit bedeutet, zeigen unsere medizinischen Daten.\" data-tooltip-title=\"\" data-tooltip-content=\"Vergangenes Jahr wurden wir als medizinische Organisation von der Bundesregierung als Sachverst\u00e4ndige zur Idee der Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten angefragt. Der k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Abschlussbericht best\u00e4tigt, was wir seit Langem sagen: Die Idee ist rechtlich fragw\u00fcrdig, verursacht hohe Kosten und ist in der Praxis kaum umsetzbar. Menschen, die nie zuvor in diesem Drittstaat waren, sollen dorthin \u201everbracht\u201c werden \u2013 gegen ihren Willen. Was das f\u00fcr ihre psychische und k\u00f6rperliche Gesundheit bedeutet, zeigen unsere medizinischen Daten.\" data-tooltip-placeholder-is-selection=\"true\" data-tooltip-placeholder-is-selection-text=\"besseren Wissens\" data-tooltip-data=\"%5B%7B%22tooltipTitle%22%3A%22%22%2C%22tooltipContent%22%3A%22Vergangenes%20Jahr%20wurden%20wir%20als%20medizinische%20Organisation%20von%20der%20Bundesregierung%20als%20Sachverst%C3%A4ndige%20zur%20Idee%20der%20Auslagerung%20von%20Asylverfahren%20in%20Drittstaaten%20angefragt.%20Der%20k%C3%BCrzlich%20ver%C3%B6ffentlichte%20Abschlussbericht%20best%C3%A4tigt%2C%20was%20wir%20seit%20Langem%20sagen%3A%20Die%20Idee%20ist%20rechtlich%20fragw%C3%BCrdig%2C%20verursacht%20hohe%20Kosten%20und%20ist%20in%20der%20Praxis%20kaum%20umsetzbar.%20Menschen%2C%20die%20nie%20zuvor%20in%20diesem%20Drittstaat%20waren%2C%20sollen%20dorthin%20%E2%80%9Everbracht%E2%80%9C%20werden%20%E2%80%93%20gegen%20ihren%20Willen.%20Was%20das%20f%C3%BCr%20ihre%20psychische%20und%20k%C3%B6rperliche%20Gesundheit%20bedeutet%2C%20zeigen%20unsere%20medizinischen%20Daten.%22%2C%22placeholderIsSelection%22%3A%22true%22%2C%22placeholderIsSelectionText%22%3A%22besseren%20Wissens%22%7D%5D\" aria-expanded=\"false\">besserem Wissen<\/span><\/a><span lang=\"DE-DE\"> versucht, durch die europ\u00e4ische Hintert\u00fcr die Idee der Auslagerung von Asylverfahren weiter zu verfolgen: Das Konzept der sicheren Drittstaaten soll ge\u00e4ndert werden und damit w\u00fcrde es m\u00f6glich, Menschen in Drittstaaten zu verbringen \u2013 auch wenn sie dort weder zuvor gelebt oder sonstige Verbindung zu diesem Land haben. Die Wortwahl im Koalitionsvertrag mag sich ge\u00e4ndert haben \u2013 statt \u201eAuslagerung\u201c ist nun von \u201eVerbringung\u201c die Rede \u2013 doch an der Praxis und ihren gravierenden Folgen f\u00fcr die Menschen \u00e4ndert sich nichts.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Die Regierung sollte ihren eigenen Bericht zum Thema ernst nehmen, zu dem auch \u00c4rzte ohne Grenzen <\/span><a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/veroeffentlichungen\/2024\/mpk\/mpk-drittstaat_stellungnahme-braunsdorf.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span lang=\"DE-DE\"><u>medizinische Daten<\/u><\/span><\/a><span lang=\"DE-DE\"> beigesteuert hat. Der Ansatz der Auslagerung von Asylverfahren ist nicht nur rechtlich fragw\u00fcrdig, extrem teuer und in der Praxis kaum umsetzbar, sondern hat auch schwerwiegende Folgen f\u00fcr die psychische und physische Gesundheit der Menschen.<\/span><\/p>\n<h2 id=\"ein-globaler-trend-menschlichkeit-steht-auf-dem-spiel\"><span lang=\"DE-DE\"><strong>Ein globaler Trend: Menschlichkeit steht auf dem Spiel<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Weltweit beobachten unsere Teams, wie Staaten versuchen, mittels neuer Grenzregime Recht zu umgehen und Pushbacks, Gewalt und Verweigerung von Hilfe gegen\u00fcber Schutzsuchenden den Anschein von Legitimit\u00e4t zu geben. In diesem globalen Kontext ist es umso wichtiger, dass die Bundesregierung sich gegen die stellt, die nach Abschottung und Abwendung von Humanit\u00e4t und V\u00f6lkerrecht rufen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Der Umgang mit Schutzsuchenden ist ein Gradmesser f\u00fcr Menschlichkeit in einer Gesellschaft. Die ersten Tage der neuen Bundesregierung machen wenig Hoffnung in dieser Hinsicht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"DE-DE\">Wir fordern die Bundesregierung auf, das Recht auf Asyl und humanit\u00e4re Prinzipien zu verteidigen. Es braucht sichere Fluchtwege, menschenw\u00fcrdige Aufnahmebedingungen und eine St\u00e4rkung des internationalen Schutzsystems.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"entry-meta\">\n<hr \/>\n<h3><strong>\u201eReformen, die wirken?<br \/>\nDie Umsetzung von aktuellen Migrations- und Integrationsgesetzen\u201c<\/strong><\/h3>\n<p>Der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Integration und Migration (SVR) hat heute in Berlin sein Jahresgutachten \u201eReformen, die wirken? Die Umsetzung von aktuellen Migrations- und Integrationsgesetzen\u201c vorgestellt. Wir d\u00fcrfen es Ihnen hiermit zukommen lassen.<\/p>\n<p>In seinem 16. Jahresgutachten untersucht der SVR die strukturellen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Rechtsumsetzung und analysiert anhand der Reformen zu Erwerbsmigration und Einb\u00fcrgerung und von Ma\u00dfnahmen zur Arbeitsmarktintegration von Gefl\u00fcchteten, wie die entsprechenden Regelungen in die Praxis umgesetzt wurden und wie sie wirken. Dabei wird auch deutlich, wo die Umsetzung noch L\u00fccken aufweist oder sich Effekte erst ansatzweise beurteilen lassen.<\/p>\n<p>Zentrale Ergebnisse und Empfehlungen lauten:<\/p>\n<ul>\n<li>Die in den vergangenen Jahren in schneller Folge beschlossenen Gesetzesreformen haben die ohnehin stark belasteten Verwaltungen zus\u00e4tzlich herausgefordert, so dass die Umsetzung von Gesetzen und Verordnungen mit dem Tempo der Rechtsetzung oft nicht Schritt halten kann. Hier ist mehr Mut zur Vereinfachung gefragt. Deutschland braucht nicht immer mehr Gesetze, sondern eine effektivere Umsetzung.<\/li>\n<li>Da \u00fcber Jahre zu wenig in Infrastruktur, ausreichendes Personal und in eine effiziente Verwaltung investiert wurde, sind viele Beh\u00f6rden \u00fcberlastet: Die Digitalisierung kommt nur schleppend voran, Arbeitsprozesse sind \u00fcberreguliert und dauern h\u00e4ufig zu lange und es fehlt an ausreichend geschultem Personal. Es sollte deshalb darum gehen, B\u00fcrokratie abzubauen, Prozesse st\u00e4rker zu digitalisieren, Verfahren zu beschleunigen sowie die f\u00f6deral organisierten Strukturen zu optimieren und Zust\u00e4ndigkeiten zu b\u00fcndeln.<\/li>\n<li>Schnelligkeit ist nicht alles. Damit Gesetze wirksam umgesetzt werden k\u00f6nnen, braucht es eine gute Vorbereitung, die die Umsetzung mitbedenkt. Der SVR empfiehlt einen Praxis-Check: Durch die fr\u00fchzeitige Beteiligung derjenigen Stellen, die Gesetze umsetzen m\u00fcssen, sowie der Adressaten l\u00e4sst sich sicherstellen, dass Gesetze und Regelungen die beabsichtigte Wirkung entfalten und keine ungewollten Folgen oder Nebenwirkungen auftreten.<\/li>\n<li>Um die Wirkung von Gesetzen nachzuverfolgen, empfiehlt der SVR, Gesetzesvorhaben und Ma\u00dfnahmen regelm\u00e4\u00dfig zu evaluieren und einer evidenzbasierten Aufgabenkritik zu unterziehen. So ist gew\u00e4hrleistet, dass die eingesetzten Mittel im angemessenen Verh\u00e4ltnis zu den Zielen und zum Ergebnis stehen und f\u00fcr stabile Verwaltungsstrukturen sorgen.<\/li>\n<li>Fachkr\u00e4fteeinwanderung: Die Anerkennung von ausl\u00e4ndischen Berufserfahrungen hat mit dem weiterentwickelten Fachkr\u00e4fteeinwanderungsgesetz an Bedeutung gewonnen. Hier lassen sich staatliche Aufgaben durch drei Ma\u00dfnahmen reduzieren: erstens, indem solche Betriebe die Berufserfahrung potenzieller Arbeitskr\u00e4fte selbst beurteilen, die etwa durch Kammern zertifiziert worden sind oder sich in der Vergangenheit als seri\u00f6se Arbeitgebende erwiesen haben; zweitens durch eine st\u00e4rkere Arbeitsteilung zwischen Staat und Unternehmen bei der Beratungsinfrastruktur: Nicht jede Beratungsleistung muss der Staat finanzieren, auch wenn der SVR bei kleinen und mittleren Unternehmen und bei der Beratung von Arbeitnehmenden solche Angebote weiterhin f\u00fcr sinnvoll erachtet; und drittens sollten Zust\u00e4ndigkeiten auf Bundesebene konzentriert werden, um das Verfahren effizienter zu gestalten und um Druck von den Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden zu nehmen.<\/li>\n<li>Job-Turbo: Mit dem im Oktober 2023 gestarteten Programm sollten insbesondere ukrainische Gefl\u00fcchtete schneller in Arbeit gebracht werden. Die Flexibilisierung f\u00fcr eine leichtere Arbeitsaufnahme auch bei begrenzten Sprachkenntnissen und die M\u00f6glichkeiten einer Nachqualifizierung sieht der SVR grunds\u00e4tzlich positiv. Gleichzeitig hat sich der \u201aSprache zuerst\u2018-Ansatz in Deutschland bew\u00e4hrt, da er langfristig den Menschen eine h\u00f6herwertige Besch\u00e4ftigung erm\u00f6glicht. Er sollte deshalb nicht vollst\u00e4ndig aufgegeben werden.<\/li>\n<li>Der SVR empfiehlt zudem, Integrationskurse mit verl\u00e4sslicher Kinderbetreuung sowie in Teilzeit anzubieten, um es den Teilnehmenden zu erleichtern, parallel zu arbeiten. Da sich fehlende Betreuungspl\u00e4tze f\u00fcr Kinder als zentrales Hemmnis f\u00fcr die Berufst\u00e4tigkeit gefl\u00fcchteter Frauen erwiesen haben, braucht es hier mehr Angebote. Um dem Fachkr\u00e4ftemangel im fr\u00fchp\u00e4dagogischen Bereich zu begegnen, empfiehlt der SVR, die Potenziale ausl\u00e4ndischer Fachkr\u00e4fte in diesem Bereich zu nutzen und dazu die Anerkennungsverfahren f\u00fcr berufliche Qualifikationen zu vereinfachen und zu beschleunigen, ohne die Qualit\u00e4tsstandards zu senken.<\/li>\n<li>Um Zugangsh\u00fcrden f\u00fcr Frauen abzubauen, sollten auch die Arbeitsbeh\u00f6rden ihre Praxis anpassen. Arbeitsmarktpolitische Integrationsleistungen wie Qualifizierungsma\u00dfnahmen sollten individuell gew\u00e4hrt werden, wie in anderen L\u00e4ndern \u00fcblich. In Deutschland erhalten die Frauen h\u00e4ufig keine M\u00f6glichkeit, an Ma\u00dfnahmen zur beruflichen Eingliederung teilzunehmen, wenn der Ehemann genug verdient.<\/li>\n<li>Staatsangeh\u00f6rigkeitsrecht: Die Anfang 2024 beschlossene und zur Mitte des Jahres in Kraft getretene Reform des Staatsangeh\u00f6rigkeitsgesetzes hat Einb\u00fcrgerungsh\u00fcrden abgebaut \u2013 unter anderem durch eine k\u00fcrzere Mindestaufenthaltsdauer und die jetzt grunds\u00e4tzliche Akzeptanz von Mehrstaatigkeit. Zwar ist die Nachfrage nach Einb\u00fcrgerungen seit Inkrafttreten der Reform gestiegen, doch verursachen Personalmangel, fehlende Digitalisierung und die komplexe Rechtslage einen R\u00fcckstau beim Bearbeiten der Antr\u00e4ge in den Einb\u00fcrgerungsbeh\u00f6rden \u2013 verbunden mit langen Wartezeiten f\u00fcr Einb\u00fcrgerungswillige. Der SVR h\u00e4lt daher Anpassungen bei der Umsetzung f\u00fcr notwendig. Hier k\u00f6nnen etwa auf Landesebene zentralisierte Zust\u00e4ndigkeiten einen Beitrag leisten, um Beh\u00f6rden zu entlasten und Verfahren zu verschlanken. Neben kollektiven Informationsangeboten f\u00fcr Einb\u00fcrgerungsinteressierte haben sich communitybasierte Lotsenprojekte bew\u00e4hrt, die einige Bundesl\u00e4nder umsetzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wirtschaft und Gesellschaft haben hohe Erwartungen an die Politik in dynamischen und kontrovers diskutierten Politikfeldern wie der Migrations- und Integrationspolitik. Da B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger die Reaktionsf\u00e4higkeit der Politik aber nicht allein daran bemessen, ob der Bund schnell Gesetze erl\u00e4sst, sondern ob diese auch wirken, empfehlen wir der Politik, in der neuen Legislaturperiode die gute Umsetzung verst\u00e4rkt in den Blick zu nehmen.<\/p>\n<p>Das SVR-Jahresgutachten 2025, ein Faktenpapier, die Presseinformation sowie weitere Informationen k\u00f6nnen Sie hier herunterladen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.svr-migration.de\/publikationen\/jahresgutachten\/2025\">https:\/\/www.svr-migration.de\/publikationen\/jahresgutachten\/2025<\/a><\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen Ihnen eine interessante Lekt\u00fcre!<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">Prof. Dr. Winfried Kluth<\/td>\n<td valign=\"top\">Prof. Dr. Birgit Glorius<\/td>\n<td valign=\"top\"><\/td>\n<td valign=\"top\"><\/td>\n<td valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">Vorsitzender des SVR<\/td>\n<td valign=\"top\">Stellvertretende Vorsitzende des SVR<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<hr \/>\n<h4 class=\"mgb-xsmall column is-8-desktop is-8-tablet mgh-auto-tablet-only pv-0 mgt-xlarge mgh-auto-desktop seiteneinstieg-news mobile-order-1\"><strong><span class=\"headline typo-r-topline-detail\">Urteil in Hamburg<\/span><\/strong><\/h4>\n<h2 class=\"mgb-xsmall column is-8-desktop is-8-tablet mgh-auto-tablet-only pv-0 mgt-xlarge mgh-auto-desktop seiteneinstieg-news mobile-order-1\"><strong><span class=\"is-flex headline typo-r-head-detail mgt-xsmall-mobile\">Aushungern von Asylsuchenden verboten<\/span><\/strong><\/h2>\n<p class=\"column is-8-desktop is-8-tablet mgh-auto-tablet-only mgh-auto-desktop typo-r-subline-detail mobile-order-2\">Hamburgs Sozialgericht erkl\u00e4rt den Entzug von Asylbewerberleistungen f\u00fcr rechtswidrig. Im neuen \u201eDublin-Zentrum\u201c gibt&#8217;s nur Bett, Brot und Seife.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Urteil-in-Hamburg\/!6083203\/\">https:\/\/taz.de\/Urteil-in-Hamburg\/!6083203\/<\/a><\/p>\n<p>In Niedersachsen werden K\u00fcrzungen nach \u00a7 1 Abs. 4 AsylbLG wie in Hamburg durch das Land bis auf Weiteres nicht vorgenommen, solange Handlungsempfehlungen des Bundes nicht vorliegen: Die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Streichung d\u00fcrfte nach Ansicht MI im Einzelfall davon abh\u00e4ngen, ob eine R\u00fcckkehrm\u00f6glichkeit auch tats\u00e4chlich besteht. Der Rechtsauffassung des Landes Rheinland-Pfalz, das bereits per Erlass die Verfassungswidrigkeit eines Leistungsausschlusses festgestellt hat, mochte sich das Land jedoch nicht anschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch die Minusrunde bei der Grundsicherung nach \u00a7 28a SGB XII ist offenkundig rechtswidrig:<\/p>\n<p><a class=\"moz-txt-link-freetext\" href=\"https:\/\/www.gegen-hartz.de\/urteile\/minusrunde-bei-der-grundsicherung-nach-%C2%A7-28a-sgb-xii-rechtswidrig#google_vignette\">https:\/\/www.gegen-hartz.de\/urteile\/minusrunde-bei-der-grundsicherung-nach-%C2%A7-28a-sgb-xii-rechtswidrig#google_vignette<\/a><\/p>\n<p>Volker Gerloff, Sven Adam und andere Sozialrechtsanw\u00e4lt*innen klagen gerne ohne Geb\u00fchrenerhebung gegen jeden neuen Bescheid, der seit diesem Jahr reduzierte Leistungen vorsieht.<\/p>\n<p>Kai Weber Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer<br \/>\nFl\u00fcchtlingsrat Niedersachsen e.V., R\u00f6pkestr. 12, 30173 Hannover<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pro Asyl Presseerkl\u00e4rung vom 27. <\/strong><strong>Februar 2025<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Junge gefl\u00fcchtete Frau wird vom Staat in die Obdachlosigkeit gezwungen<br \/>\n\u2013 Gericht schreitet ein<\/strong><\/h3>\n<p><strong>In Baden-W\u00fcrttemberg wurde eine gefl\u00fcchtete Frau aus einer Gemeinschaftsunterkunft heraus bei Minustemperaturen auf die Stra\u00dfe gesetzt. Grundlage daf\u00fcr ist eine von der Ampelregierung beschlossene Leistungsstreichung. Das Sozialgericht Karlsruhe befand in einer Eilentscheidung: Das ist verfassungs- und europarechtswidrig.<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der bevorstehenden Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen appelliert PRO ASYL an die k\u00fcnftigen Regierungsparteien, keine Politik der Entrechtung auf dem R\u00fccken von Gefl\u00fcchteten zu betreiben und zur rechtsstaatlich basierten Asylpolitik zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Aktueller Anlass ist ein Fall aus Baden-W\u00fcrttemberg: Mitte Februar setzte eine der reichsten Kommunen Deutschlands eine junge, gefl\u00fcchtete Frau bei Minustemperaturen auf die Stra\u00dfe. Ihr wurde jegliche soziale Unterst\u00fctzung und sogar das Nutzungsrecht f\u00fcr ihr Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft entzogen. Das Sozialamt begr\u00fcndete den Rauswurf damit, dass sich die Frau nach Kroatien begeben m\u00fcsse, in das f\u00fcr ihr Asylverfahren zust\u00e4ndige Land. Hintergrund ist eine entsprechende Regelung aus dem so genannten Sicherheitspaket, das am 31.Oktober 2024 in Kraft getreten ist.<\/p>\n<p>\u201eDieser vorhersehbare Skandal best\u00e4tigt die Kritik von PRO ASYL: Rechtlich unhaltbare Gesetze durchzusetzen, die lediglich populistische Forderungen nach harter Migrationspolitik bedienen sollen, ist eine erfolglose Strategie. Diese Strategie hat aber gravierende Auswirkungen auf Menschenleben\u201d, sagt Tareq Alaows, fl\u00fcchtlingspolitischer Sprecher von PRO ASYL. \u201eDas ist ein klarer Appell an die neue Koalition, rechtm\u00e4\u00dfige Asylpolitik zu betreiben und sich von der Illusion zu l\u00f6sen, mit harter Migrationspolitik den Aufstieg der extremen Rechten aufhalten zu k\u00f6nnen.\u201d<\/p>\n<p><strong>Gericht erkl\u00e4rt Leistungsausschluss f\u00fcr klar rechtswidrig<\/strong><\/p>\n<p>PRO ASYL unterst\u00fctzte die Klage der betroffenen Frau, die mithilfe einer Anw\u00e4ltin beim Sozialgericht gegen den Beschluss der Stadt vorging. Aufgrund der akut drohenden Obdachlosigkeit der jungen Frau entschied das Sozialgericht Karlsruhe vergangene Woche binnen weniger Stunden. Es erkl\u00e4rte am 19. Februar 2025 mit deutlichen Worten, dass es den Leistungsausschluss sowohl f\u00fcr verfassungs- als auch f\u00fcr europarechtswidrig h\u00e4lt. (<a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/wp-content\/uploads\/2502-SG_Karlsruhe_S-12-AY-424-25-ER-b.pdf\">S 12 AY 424\/25 ER<\/a>) Nach dem Richterspruch konnte die Gefl\u00fcchtete in die Unterkunft zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend kommt die Entscheidung des SG Karlsruhe nicht: Bereits in der<a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2024\/kw39-pa-inneres-sicherheit-asyl-1019032\"> Sachverst\u00e4ndigenanh\u00f6rung<\/a> des Bundestags zum <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/news\/angebliches-sicherheitsgesetz-angriff-auf-grundrechte\/\"> Sicherheitspaket<\/a> hatten Expert*innen und Organisationen, darunter auch <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/wp-content\/uploads\/PRO-ASYL-Stellungnahme-Anhoerung-23.09.2024_Sozialleistungsausschluss.pdf\"> PRO ASYL<\/a>, die Ampel-Regierung vor der vollst\u00e4ndigen Leistungsstreichung gewarnt.<\/p>\n<p>\u201eDer Fall zeigt, wie weit sich die \u201aParteien der Mitte\u2018 treiben lassen, um den vermeintlichen Volkszorn zu befrieden. Es ist bitter, dass die Leidtragenden solch menschenverachtender gesetzlicher Regelungen sich nun einzeln vor Gerichten wehren m\u00fcssen\u201c, sagt Tareq Alaows.<\/p>\n<p><strong>Kein Einzelfall: Gerichte kassieren die Entscheidungen von Sozial\u00e4mtern<\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen Monaten h\u00e4uften sich F\u00e4lle, in denen Sozial\u00e4mter Leistungsk\u00fcrzungen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete auf Grundlage des Sicherheitspakets beschlossen. Diese K\u00fcrzungen wurden im Anschluss von Gerichten ausnahmslos abgeschmettert.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Sozialgerichts Speyer (20.02.2024 \u2013 S 15 AY 5\/25 ER) verst\u00f6\u00dft die Leistungsstreichung gegen die Verfassung. Am 17. Dezember 2024 machte das Sozialgericht N\u00fcrnberg klar, dass es die Norm mit dem Europarecht nicht f\u00fcr vereinbar h\u00e4lt (richterlicher Hinweis \u2013 <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/wp-content\/uploads\/2412-SG-Nuernberg-S-17-AY-68_24-ER-richterl-Hinweis.pdf\"> S 17 AY 68\/24 ER<\/a>). \u00c4hnliche Zweifel an der Vereinbarkeit des Leistungsentzugs mit Europ\u00e4ischem Recht \u00e4u\u00dferten die Sozialgerichte in Landshut (18.12.2024 \u2013 S 11 AY 19\/24 ER), Osnabr\u00fcck (18.12.2024 \u2013 <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/wp-content\/uploads\/2412-SG-Osnabrueck-S-44-AY-25-24-ER_b.pdf\"> S 44 AY 25\/24 ER<\/a>), Darmstadt (04.02.2025 \u2013 S 16 AY 2\/25 ER) und Trier (20.02.2025 \u2013 S 3 AY 4\/25 ER).<\/p>\n<p>Weitere Informationen k\u00f6nnen Sie zudem unserer <a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/news\/obdachlos-per-gesetz-junge-gefluechtete-wird-aus-unterkunft-geworfen\/\"> News<\/a> entnehmen.<\/p>\n<hr \/>\n<h5><strong>Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Integration und Migration (SVR)<\/strong><\/h5>\n<h4><strong>\u201eAngekommen und transnational verbunden: Afghanische Zugewanderte in Deutschland\u201c <\/strong><\/h4>\n<p>die Zahl der Menschen aus Afghanistan in Deutschland ist im letzten Jahrzehnt und vor allem nach der Macht\u00fcbernahme durch die Taliban im Jahr 2021 im Zuge der Fluchtmigration stark gestiegen. Viele stehen noch am Anfang ihres Integrationsprozesses, werden aber angesichts der Lage in Afghanistan wahrscheinlich auf l\u00e4ngere Sicht in Deutschland bleiben. Gleichzeitig erhalten sie transnationale Verbindungen zu Familie und Freunden in ihrem Herkunftsland oder in anderen L\u00e4ndern aufrecht.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Forschungsprojekts \u201eTransnationale Netzwerke und zivilgesellschaftliche Aktivit\u00e4ten im Kontext von Fluchtmigration: Die afghanischen und syrischen Communities in Deutschland\u201c hat der wissenschaftliche Stab des Sachverst\u00e4ndigenrats f\u00fcr Integration und Migration (SVR) eine Online-Befragung durchgef\u00fchrt, die sich an afghanische Zuwanderinnen und Zuwanderer richtete. Die Befragten, die mehrheitlich in den letzten 10 Jahren und insbesondere nach 2021 zugewandert sind, gaben u.\u00a0a. Auskunft \u00fcber ihre grenz\u00fcberschreitenden famili\u00e4ren Netzwerke, ihr Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, ihr Leben in Deutschland und aktuelle Herausforderungen. Die Daten erm\u00f6glichen auch einen Vergleich zwischen afghanischen Zugewanderten, die vor 2021 nach Deutschland gekommen sind, und denjenigen, die nach 2021 zugezogen sind. Die Studie tr\u00e4gt dazu bei, Ankommensprozesse und transnationale Dynamiken im Kontext der Fluchtmigration besser zu verstehen, und gibt so Aufschluss \u00fcber die Lebenssituation einer wichtigen Zuwanderergruppe in Deutschland.<\/p>\n<p>Zentrale Erkenntnisse und Empfehlungen lauten:<\/p>\n<ul>\n<li>Transnationale Beziehungen sind ein wichtiger Teil des t\u00e4glichen Lebens f\u00fcr viele Afghaninnen und Afghanen. Eine gro\u00dfe Mehrheit hat nahe Angeh\u00f6rige und Freunde, die gr\u00f6\u00dftenteils noch in Afghanistan, aber auch in anderen L\u00e4ndern leben.<\/li>\n<li>Soziale Kontakte innerhalb Deutschlands sind weniger stark ausgepr\u00e4gt; mit steigender Aufenthaltsdauer werden es jedoch mehr.<\/li>\n<li>Die Befragten f\u00fchlen sich in Deutschland \u00fcberwiegend willkommen und dem Land verbunden. Nahezu alle sehen ihre Zukunft hier und m\u00f6chten sich einb\u00fcrgern lassen.<\/li>\n<li>Die Lebenssituation der afghanischen Zuwanderinnen und Zuwanderer sowie die Herausforderungen, mit denen sie sich konfrontiert sehen, sind stark von ihrem Fluchthintergrund bestimmt, aber auch von ihrer Aufenthaltsdauer.<\/li>\n<li>Ihr wichtigstes Anliegen ist, Angeh\u00f6rige zu sich zu holen, die noch in Afghanistan sind. Zudem sehen sich viele von Diskriminierung betroffen, was sich negativ auf das Willkommens- und Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl auswirkt.<\/li>\n<li>Die Ergebnisse unterstreichen den Handlungsbedarf, der f\u00fcr viele integrationspolitische Bereiche gilt, darunter die Arbeitsmarktintegration als wichtiger \u201aTeilhabe-Motor\u2018, die Bek\u00e4mpfung von Diskriminierung und eine diversit\u00e4tssensible \u00d6ffnung der Verwaltung.<\/li>\n<li>Die \u00fcberwiegend positive Grundeinstellung gegen\u00fcber Deutschland sollte als Chance begriffen werden: Politik und zivilgesellschaftliche Organisationen sollten afghanische Zugewanderte bei praktischen Herausforderungen unterst\u00fctzen und ihre soziale und zivilgesellschaftliche Einbindung f\u00f6rdern.<\/li>\n<li>Afghanische Diaspora-Organisationen k\u00f6nnten eine noch st\u00e4rker unterst\u00fctzende Rolle bei diesem Prozess spielen, indem sie aktiv auf Neuzugewanderte zugehen und in den Dialog mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen und mit der deutschen Politik treten<br \/>\nDie SVR-Studie <b>\u201eAngekommen und transnational verbunden: Afghanische Zugewanderte in Deutschland\u201c<\/b> k\u00f6nnen Sie hier herunterladen:<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.svr-migration.de\/publikation\/afghanische-zugewanderte-in-deutschland\/\">https:\/\/www.svr-migration.de\/publikation\/afghanische-zugewanderte-in-deutschland\/<\/a><\/p>\n<p>Zusammenfassungen der Studie auf Englisch, Dari und Paschto sind dort ebenfalls erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p>Die Presseinformation steht unter diesem Link zum Download zur Verf\u00fcgung:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.svr-migration.de\/presse\/zugewanderte-aus-afghanistan\/\">https:\/\/www.svr-migration.de\/presse\/zugewanderte-aus-afghanistan\/<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3><strong>GFK Schutz f\u00fcr alle afghanischen Frauen, urteilt der EuGH<\/strong><\/h3>\n<\/div>\n<p>&#8222;F\u00fcr alle in Deutschland lebende Frauen und M\u00e4dchen mit nationalem Abschiebungsverbot (Aufenthaltserlaubnis nach \u00a7 25 Absatz 3 AufenthG) oder subsidi\u00e4rem Schutz (Aufenthaltserlaubnis nach \u00a7 25 Absatz 2 Satz 1 zweite Alternative AufenthG) empfiehlt es sich einen Asylfolgeantrag nach \u00a7 71 AsylG zu stellen. Sie w\u00fcrden nach erfolgreichem Folgeverfahren eine Fl\u00fcchtlingseigenschaft und eine Aufenthaltserlaubnis erhalten (\u00a7 25 Absatz 2 Satz 1 erste Alternative AufenthG). Ein Folgeantrag mit Verweis auf dieses Urteil ist nicht m\u00f6glich, wenn in einem anderenEU-Staat ein Schutzstatus erteilt wurde und diesbez\u00fcglich eine Duldung oder ein Abschiebungsverbot besteht. &#8220;<\/p>\n<p>Elias Elsler<\/p>\n<p>Referent im B\u00fcro der Landesbeauftragten f\u00fcr Fl\u00fcchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen<\/p>\n<div class=\"entry-meta\">\n<div>Mit Urteil vom 4. Oktober 2024 sieht der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) alle Frauen in Afghanistan im Sinne der Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention (GFK) als verfolgt an. Dabei komme es allein auf die Staatsangeh\u00f6rigkeit und das Geschlecht an. Frauen bilden somit eine schutzbed\u00fcrftige soziale Gruppe, ein Nachweis der individuellen Betroffenheit ist nicht notwendig. Was bedeutet dieses Urteil f\u00fcr die in Deutschland lebenden Afghaninnen?<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Die Ausgangslage siehe hier: Publikation der Landesbeauftragten f\u00fcr Fl\u00fcchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes Schleswig-Holstein<\/div>\n<div>\n<p><a href=\"https:\/\/incuxhaven.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/UTF-8GFK-Schutz_20f_C3_BCr_20alle_20afghanische_20Frauen.pdf\">UTF-8&#8220;GFK-Schutz_20f_C3_BCr_20alle_20afghanische_20Frauen<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Presseerkl\u00e4rung<\/strong><\/p>\n<p><strong>15. Oktober 2024<\/strong><\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><strong>Europ\u00e4ischer Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte best\u00e4tigt Unrechtm\u00e4\u00dfigkeit von Zur\u00fcckweisungen an den Binnengrenzen<\/strong><\/h3>\n<p><strong>PRO ASYL und ECCHR begr\u00fc\u00dfen das heutige Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte und fordern die Ampelregierung auf, der Zur\u00fcckweisungspraxis an den deutschen Grenzen ein Ende zu setzen. <\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas heutige Urteil in der Beschwerde von 2019 ist entscheidend f\u00fcr die Debatte rund um Zur\u00fcckweisungen an den deutschen Grenzen und kommt genau im richtigen Moment. Deutschland ist verpflichtet, menschenrechtliche Standards zu wahren und den Zugang zu rechtsstaatlichen Asylverfahren auch an deutschen Grenzen zu gew\u00e4hrleisten\u201d, sagt Tareq Alawos, fl\u00fcchtlingspolitischer Sprecher von PRO ASYL. \u201cAlle Parteien m\u00fcssen nun endlich die menschenrechtsverachtende Zur\u00fcckweisungsdebatte und die systematische Entrechtung an deutschen Grenzen beenden\u201c, f\u00fchrt Alaows aus.<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong>In seinem heutigen <strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUOly\">Urteil <\/a><\/strong>stellt der Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) klar: Zur\u00fcckweisungen von Schutzsuchenden an den Grenzen sind nicht zul\u00e4ssig. Damit erteilt er Verwaltungsabkommen wie dem \u201c<strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUOlz\">Seehofer-Deal<\/a><\/strong>\u201d von 2018 eine klare Absage und st\u00e4rkt den Zugang zum Rechtsschutz von Asylsuchenden an der Grenze. PRO ASYL, <strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUOl0\">Refugee Support Aegean (RSA)<\/a><\/strong> und <strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUeBr\">European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR)<\/a><\/strong> hatten die Klage durch eine <strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUeBs\">Eingabe vor Gericht<\/a><\/strong> unterst\u00fctzt. In Entscheidungen von <strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUeBt\">2019 <\/a><\/strong>und <strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUOlz\">2021 <\/a><\/strong>hatte das VG M\u00fcnchen die Rechtswidrigkeit von Zur\u00fcckweisungen unter dem Seehofer-Deal bereits festgestellt.<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong>\u201cDer Versuch Deutschlands, Europarecht zu umgehen und Menschen im Hauruckverfahren zur\u00fcckzuweisen, ist gescheitert. Der EGMR macht deutlich, dass Zugang zu einem rechtsstaatlichen Verfahren zwingend erforderlich ist, um schwerste Menschenrechtsverletzungen, wie sie der Beschwerdef\u00fchrer erlitten hat, zu verhindern\u201d, sagt Hanaa Hakiki, Juristin beim ECCHR.<br \/>\n<strong><br \/>\nHintergrund zu dem Fall<\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger H.T. aus Syrien stellte im Juni 2018 auf der griechischen Insel Leros einen Asylantrag. Er litt unter den dortigen Lebensverh\u00e4ltnissen, die jenen im Elendslager \u201eMoria\u201c auf Lesbos glichen und f\u00fcrchtete zudem die Abschiebung in die T\u00fcrkei und von dort die Kettenabschiebung nach Syrien. Im September 2018 floh er \u00fcber \u00d6sterreich nach Deutschland. Dabei wurde er von der deutschen Bundespolizei aufgegriffen und, trotz dass er ein Asylgesuch \u00e4u\u00dferte, nur wenige Stunden sp\u00e4ter nach Griechenland abgeschoben \u2013 basierend auf dem<strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUeBu\"> Seehofer-Deal<\/a><\/strong> zwischen Deutschland und Griechenland. In den Stunden zwischen Aufgriff und Abschiebung hatte er keinen Zugang zu einem effektiven Rechtsschutz. Ein Dublin-Verfahren wurde nicht durchgef\u00fchrt.<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong>Auf Leros wurde H.T. fast drei Monate inhaftiert, in einer Zelle mit verhangenem Fenster und ohne die M\u00f6glichkeit, einen Au\u00dfenbereich aufzusuchen. Der <strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/lt.php?x=3TxtmrUFUqPUT55qA3P3U.lv1nyljNYkjMo0Xqc5KXbN7sB8y_~OV.eh~aAlvdBfx2U3XHoWInGe5q352NxFUeBv\">griechische Fl\u00fcchtlingsrat<\/a><\/strong> half ihm, aus der Haft zu kommen und ein Asylverfahren in Griechenland durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong>Im M\u00e4rz 2019 reichte H.T. Individualbeschwerde beim EGMR ein. Er macht geltend, dass seine R\u00fcckf\u00fchrung durch Deutschland sowie seine Behandlung und Inhaftierung in Griechenland das Verbot von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung (Artikel 3) und das Recht auf wirksame Beschwerde (Artikel 13) in der Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention (EMRK) verletzen.<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong>2021 wurde H.T. in Griechenland als Fl\u00fcchtling anerkannt. Aufgrund der unhaltbaren Lebensbedingungen f\u00fcr anerkannte Fl\u00fcchtlinge in Griechenland, floh H.T nach Deutschland und stellte hier einen Asylantrag. 2022 wurde er durch das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge als subsidi\u00e4r schutzberechtigt anerkannt.<br \/>\n<strong><br \/>\nKontakt f\u00fcr Presseanfragen<\/strong><\/p>\n<p>PRO ASYL: <strong><a href=\"mailto:presse@proasyl.de\">presse@proasyl.de<\/a><\/strong>, 069-24231430<strong><br \/>\n<\/strong>ECCHR: Abby d\u2019Arcy, <strong><a href=\"mailto:darcy@ecchr.eu\">darcy@ecchr.eu<\/a><\/strong>, 0173-8677296<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<hr \/>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"postdate\">27. Juni 2024<\/div>\n<div class=\"social-box\"><\/div>\n<\/div>\n<header class=\"entry-header\">\n<h3 class=\"entry-title\"><strong>Fadenscheinige Ablehnung politisch Verfolgter durch das BAMF<\/strong><\/h3>\n<\/header>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Immer wieder macht der Fl\u00fcchtlingsrat Niedersachsen die Erfahrung, dass politisch Verfolgte aus der T\u00fcrkei vom BAMF aus fadenscheinigen Gr\u00fcnden abgelehnt werden.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEs ist inakzeptabel und politisch skandal\u00f6s, wenn das BAMF Dokumente, die eine politische Verfolgung zweifelsfrei belegen, nicht zur Kenntnis nimmt, und Asylantr\u00e4ge unter Bezugnahme auf \u201eGlaubw\u00fcrdigkeitsfragen\u201c ablehnt, so Rechtsanwalt D\u00fcndar Kelloglu vom Vorstand des Fl\u00fcchtlingsrats<\/p><\/blockquote>\n<p>J\u00fcngster Fall: Der t\u00fcrkische Armeeoffizier B. wurde 2020 wegen des Vorwurfs, Mitglied in der G\u00fclen-Bewegung zu sein, aus der Armee ausgeschlossen und sp\u00e4ter festgenommen, gefoltert und mit Urteil des 4. Strafgerichts f\u00fcr schwere Strafsachen vom 26.03.2020 zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und sechs Monaten verurteilt. Seit dem Putschversuch 2016 bezichtigt die t\u00fcrkische AKP-F\u00fchrung die Anh\u00e4nger:innen des islamischen Predigers Fethullah G\u00fclen, den Putsch inszeniert zu haben, und verfolgt sie unnachsichtig als \u201eTerroristen\u201c. Schon die Mitgliedschaft reicht in der Regel f\u00fcr Verfolgungsma\u00dfnahmen, Verantwortliche der Bewegung werden mit hohen Haftstrafen belegt.<\/p>\n<p>Da die Entscheidung noch nicht rechtskr\u00e4ftig war, wurde B. nach seiner Verurteilung mit\u00a0 Meldeauflagen und einem Ausreiseverbot bis zum Revisionsverfahren vorl\u00e4ufig freigelassen. Nach seiner Freilassung ergriff B. die Flucht. Im Fall einer R\u00fcckkehr w\u00fcrde B. aufgrund des Versto\u00dfes gegen die verh\u00e4ngten Auflagen sofort inhaftiert.<\/p>\n<p>Obwohl B. als Beweismittel die Anklageschrift und die Verurteilung in Kopie mitbringen konnte, lehnte das BAMF eine Schutzgew\u00e4hrung ab. Das BAMF ignorierte in seiner Begr\u00fcndung auch die anwaltliche Zusicherung von Rechtsanwalt Kelloglu aus Hannover, der dem BAMF bereits bei Antragstellung schriftlich versichert hatte:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Unterzeichner hat mit den Zugangsdaten des Antragstellers Einsicht in das t\u00fcrkische E-Devlet\/UYAP-System geschaut. Das o.g. Strafverfahren ist dort aufgef\u00fchrt. Kopien der Best\u00e4tigungen des o.g. Verfahrens f\u00fcgen wir als Anlage an.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur Begr\u00fcndung f\u00fcr die Ablehnung des Asylantrags beruft sich das BAMF auf Glaubw\u00fcrdigkeitsfragen: Der Betroffene habe \u201eoberfl\u00e4chlich\u201c geantwortet, seine Unterst\u00fctzung der G\u00fclen-Bewegung nicht ausdr\u00fccklich beschrieben und w\u00e4hrend der Anh\u00f6rung die Unterlagen im UYAP-System nicht aufrufen k\u00f6nnen, so das BAMF. Die Echtheit der vorgelegten Unterlagen k\u00f6nne \u201eso nicht \u2026 \u00fcberpr\u00fcft werden\u201c.<br \/>\nEs kann nat\u00fcrlich viele Gr\u00fcnde daf\u00fcr geben, warum eine Seite im t\u00fcrkischen E-Devlet\/UYAP-System w\u00e4hrend der Anh\u00f6rung nicht online aufgerufen werden konnte. Daraus zu schlie\u00dfen, der Sachverhalt sei unzutreffend, verbietet sich jedenfalls dann, wenn ein t\u00fcrkischsprachiger Anwalt die Echtheit der Unterlagen nach Inaugenscheinnahme anwaltlich versichert.<\/p>\n<p>Solche Bescheide sind kein Einzelfall: Obwohl wir aufgrund der gemeinsam mit den Betroffenen genommenen Einsicht in das t\u00fcrkische E-Devlet\/UYAP-System wissen, dass eine Verurteilung vorliegt, zieht das BAMF dies in etlichen F\u00e4llen mit fadenscheiniger Begr\u00fcndung in Zweifel und weigert sich, den Sachverhalt aufzukl\u00e4ren. Auch im vorliegenden Fall hat der Fl\u00fcchtlingsrat beim BAMF die Anberaumung eines Termins angeregt, um dem BAMF einen Einblick in das UYAP-System zu erm\u00f6glichen, doch das BAMF lehnt dies ab und verweist auf das gerichtliche Verfahren. In der Konsequenz m\u00fcssen die Betroffenen oft jahrelang auf eine Gerichtsentscheidung warten, mit der die Verfolgung dann endlich anerkannt wird. Diese Praxis des BAMF belastet unn\u00f6tig die ohnehin \u00fcberlasteten Verwaltungsgerichte und irritiert aus mehreren Gr\u00fcnden: Im Asylverfahren geht es nicht um den Beweis, sondern um die Glaubhaftmachung der Verfolgung. Wenn Kopien \u00fcber eine (politisch motivierte) Strafverfolgung vorliegen, kann und darf ein Asylantrag nicht aus Gr\u00fcnden angeblich mangelnder Glaubw\u00fcrdigkeit abgelehnt werden, ohne die Echtheit der eingereichten Unterlagen selbst zu pr\u00fcfen und zu bewerten.<\/p>\n<p>Der vorliegende Fall ist dramatisch, weil Herr B, der am 17.10.2022 seinen Asylantrag stellte und von Beginn an auf die drohende Verfolgung seiner Frau und Kinder verwies, vor Angst um seine Familie schier vergeht. Er reiht sich ein in andere fragw\u00fcrdige Entscheidungen des BAMF in <a href=\"https:\/\/www.nds-fluerat.org\/55963\/aktuelles\/guelen-verfolgung-in-der-tuerkei-wird-vom-bamf-immer-wieder-verkannt\/\" data-wpel-link=\"internal\">G\u00fclen-Verfahren<\/a>. Die <a href=\"https:\/\/www.nds-fluerat.org\/56158\/aktuelles\/tuerkei-die-verfolgung-geht-weiter\/\" data-wpel-link=\"internal\">Verfolgung in der T\u00fcrkei geht weiter<\/a>, aber das BAMF nimmt sie oft nicht zur Kenntnis.<\/p>\n<p>weitere Informationen:<\/p>\n<p>Kai Weber,<br \/>\nMail <a class=\"moz-txt-link-abbreviated moz-txt-link-freetext\" href=\"mailto:kw@nds-fluerat.org\">kw@nds-fluerat.org<\/a>,<br \/>\nTel. 0178 &#8211; 17 32 569<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<h1 class=\"entry-title\"><strong>Die CDU und das Asylrecht<\/strong><\/h1>\n<\/header>\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Die CDU hat am 07. Mai 2024 ein\u00a0<a href=\"https:\/\/assets.ctfassets.net\/nwwnl7ifahow\/5CgMnK71ags88lqIxtkCB5\/66e14b4cc6a1207a4a5e4da169e46a33\/240507_CDU_GSP_2024_Beschluss_Parteitag_FINAL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener external noreferrer\" data-wpel-link=\"external\">neues Grundsatzprogramm<\/a>\u00a0beschlossen, das vorsieht, dass schutzsuchende Menschen in Europa nicht l\u00e4nger Schutz nach der Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention und dem europ\u00e4ischen Recht bekommen sollen. Stattdessen soll \u201ejeder, der in Europa Asyl beantragt, [\u2026] in einen sicheren Drittstaat \u00fcberf\u00fchrt werden und dort ein Verfahren durchlaufen. Im Falle eines positiven Ausgangs wird der sichere Drittstaat dem Antragsteller vor Ort Schutz gew\u00e4hren\u201c (Wortlaut im neuen Programm,. S. 23). Hier eine News dazu von PRO ASYL:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/news\/warum-das-neue-cdu-grundsatzprogramm-so-gefaehrlich-ist\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener external noreferrer\" data-wpel-link=\"external\">Warum das neue CDU-Grundsatzprogramm so gef\u00e4hrlich ist<\/a><\/p>\n<p>Unsere Versuche, \u00fcber\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nds-fluerat.org\/58575\/aktuelles\/offener-brief-an-die-mitglieder-der-cdu\/\" data-wpel-link=\"internal\">Anschreiben an nieders\u00e4chsische Bundestags- und Landtagsabgeordnete<\/a>\u00a0eine Problematisierung und parteiinterne Debatte zu diesem Vorhaben zu initiieren, sind leider gescheitert: Wir erhielten zwar einige ermutigende Antworten von Abgeordneten, die sich f\u00fcr eine Verteidigung des Asylrechts und den Schutz von Verfolgten auch in Europa aussprachen, auf die innerparteiliche Debatte um das Grundsatzprogramm hatte dies jedoch kaum Einfluss: Antr\u00e4ge auf eine \u00c4nderung der Passage wurden abgelehnt.<\/p>\n<p><span class=\"eop\">Kein Zweifel: Die CDU tr\u00e4gt gro\u00dfe Verantwortung f\u00fcr den Abbau der Rechte Schutz suchender Menschen.\u00a0<\/span>Dass die CDU 75 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, 72 Jahre nach Verabschiedung der Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention die Pr\u00fcfung von Schutzgesuchen und die Schutzgew\u00e4hrung selbst in ein au\u00dfereurop\u00e4isches Drittland abschieben will, stellt einen offenkundigen Tabu- und Diskursbruch dar, der alle treuherzigen Bekenntnisse der Partei zu Menschenrechten und zur Aufrechterhaltung des grundgesetzlich gesch\u00fctzten Asylrechts hohl und unglaubw\u00fcrdig erscheinen l\u00e4sst. Nachfolgend exemplarisch das Anwortschreiben des Landesvorsitzenden der CDU, Sebastian Lechner an Kai Weber, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Fl\u00fcchtlingsrats Niedersachsen:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"normaltextrun\">\u201eSehr geehrter Herr Weber,<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"normaltextrun\">es ist keinesfalls die Absicht der CDU das Grundrecht auf Asyl in Frage zu stellen. Ganz im Gegenteil: Wir wollen, dass das Asylrecht in der bestehenden Form erhalten bleibt und fechten dies auch nicht mit unserem Grundsatzprogramm an. Unsere Ausf\u00fchrungen im Grundsatzprogramm entsprechen Artikel 16a im Grundgesetz.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"normaltextrun\">Wir als CDU setzen uns daf\u00fcr ein, dass Menschen, die berechtigt Zuflucht suchen, auch Schutz geboten werden muss. Das sagt uns auch das christliche Menschenbild vor: Menschen in Not muss geholfen werden. Gleichzeitig ist es elementar, dass Migration mit Ordnung und Steuerung erfolgt. Unsere Vorschl\u00e4ge dazu k\u00f6nnen Sie unserem Grundsatzprogramm entnehmen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"normaltextrun\">Wir m\u00fcssen L\u00f6sungen f\u00fcr die offensichtlichen Probleme der illegalen Migration, des Sozialstaats, des Gesundheitssystem oder des Klimawandels finden. Dabei suchen wir keine Inspiration bei anderen Parteien. Als Volkspartei k\u00f6nnen wir aus den eigenen Reihen sch\u00f6pfen.<\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"normaltextrun\">Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/span><\/p>\n<p><span class=\"normaltextrun\">Sebastian Lechner MdL<br \/>\n<\/span><span class=\"eop\">Landesvorsitzender der CDU in Niedersachsen\u201c<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p class=\"paragraph\"><span class=\"eop\">Als handlungsleitend benennt Lechner hier u.a. &#8222;die offensichtlichen Probleme der illegalen Migration&#8220;. Die CDU nimmt mit ihrem Bekenntnis f\u00fcr einen &#8222;Stopp der unkontrollierten Migration&#8220; <\/span>(Grundsatzprogramm, S. 23) <span class=\"eop\">und mit ihrer Forderung nach einer Externalisierung von Asylverfahren <\/span><span class=\"eop\">offenkundig Anleihen bei den Rechtsextremen &#8211; und sorgt so daf\u00fcr, dass die innenpolitische Debatte weiter nach rechts ger\u00fcckt wird. In einer Welt der verschlossenen Grenzen ist der <\/span><span class=\"eop\"><span class=\"normaltextrun\">unautorisierte Grenz\u00fcbertritt f\u00fcr Schutzsuchende die einzige und im \u00dcbrigen vom V\u00f6lkerrecht gedeckte Form, um das Asylrecht \u00fcberhaupt in Anspruch nehmen zu k\u00f6nnen. Schutzsuchende \u00fcberqueren Grenzen eben nicht &#8222;illegal&#8220;, sie nehmen ein Grundrecht in Anspruch.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"paragraph\">Zu diesem Grundrecht auf Asyl bekennt sich auch der nieders\u00e4chsische CDU-Vorsitzende Lechner ausdr\u00fccklich \u201ein der bestehenden Form\u201c.\u00a0 Vor dem Hintergrund des dramatischen Diskussionsverlaufs um das Asylrecht ist dies vielleicht noch einmal wichtig. Es gibt l\u00e4ngst Stimmen in der CDU, die auch das Asylgrundrecht in G\u00e4nze schleifen wollen (siehe\u00a0<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Migrationsexperte-CDU-Vorschlag-haette-schwerwiegende-Folgen-article24270641.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener external noreferrer\" data-wpel-link=\"external\">N-TV-Bericht<\/a>). Zwar profitieren wegen der Drittstaatsregelung nur rund 0,5% aller Schutzsuchenden von diesem Grundrecht. In Artikel 16a, Absatz 2 findet sich jedoch eine Definition von \u201esicheren Drittstaaten\u201c, die f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Asylpraxis noch von Bedeutung sein kann:<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"paragraph\">\u201e(2) Auf Absatz 1 kann sich nicht berufen, wer aus einem Mitgliedstaat der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist, in dem die Anwendung des Abkommens \u00fcber die Rechtsstellung der Fl\u00fcchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist. Die Staaten au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften, auf die die Voraussetzungen des Satzes 1 zutreffen, werden durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, bestimmt. In den F\u00e4llen des Satzes 1 k\u00f6nnen aufenthaltsbeendende Ma\u00dfnahmen unabh\u00e4ngig von einem hiergegen eingelegten Rechtsbehelf vollzogen werden.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wer aus einem Drittstaat einreist, in dem die Anwendung der Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention sowie der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention\u00a0<strong>nicht<\/strong>\u00a0\u201esichergestellt ist\u201c, kann sich dieser Formulierung zufolge auf das Asylgrundrecht auch weiterhin berufen. Die hier vorgenommene Definition eines Standards, den ein \u201esicherer Drittstaat\u201c erf\u00fcllen muss, geht offensichtlich \u00fcber den\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nds-fluerat.org\/59024\/aktuelles\/eu-asyl-reform-das-erwartet-schutzsuchende-zukuenftig-in-europa\/\" data-wpel-link=\"internal\">Standard von GEAS<\/a>\u00a0hinaus: Danach ist es m\u00f6glich, L\u00e4nder zu \u201esicheren Drittstaaten\u201c zu erkl\u00e4ren, auch wenn sie ihre eigenen Staatsangeh\u00f6rigen verfolgen und Fl\u00fcchtlingen keinerlei rechtlichen Status erteilen. Die Praxis von Griechenland, die T\u00fcrkei zum \u201esicheren Drittland\u201c f\u00fcr Schutzsuchende aus Syrien oder Afghanistan zu erkl\u00e4ren, w\u00e4re nach deutscher Rechtslage verfassungswidrig, weil die T\u00fcrkei offenkundig gegen diese v\u00f6lkerrechtlichen Vertr\u00e4ge verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Nach dem fatalen GEAS-Beschluss werden wir f\u00fcr die Einhaltung der durch das Grundgesetz definierten Standards f\u00fcr die Festlegung \u201esicherer Drittl\u00e4nder\u201c um so mehr k\u00e4mpfen m\u00fcssen.<\/p>\n<hr \/>\n<\/div>\n<h3><strong>V\u00f6llig unbegr\u00fcndet: <\/strong><\/h3>\n<h3><strong>Bundesamt legt Asylverfahren pal\u00e4stinensischer Fl\u00fcchtlinge aus Gaza auf\u00a0Eis<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/news\/voellig-unbegruendet-bundesamt-legt-asylverfahren-palaestinensischer-fluechtlinge-aus-gaza-auf-eis\/\">https:\/\/www.proasyl.de\/news\/voellig-unbegruendet-bundesamt-legt-asylverfahren-palaestinensischer-fluechtlinge-aus-gaza-auf-eis\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<h4><\/h4>\n<h4><strong>Informationsverbund Asyl &amp; Migration<\/strong><\/h4>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"mitte\" class=\"layout-0\">\n<div id=\"maincontent\">\n<div id=\"leftcontent\">\n<div id=\"c394\" class=\"frame frame-default frame-type-list frame-layout-0\">\n<div class=\"news news-single\">\n<div class=\"article\">\n<div class=\"header\">\n<h3><strong>EuGH trifft Grundsatzentscheidung zu geschlechtsspezifischer Verfolgung<\/strong><\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"footer\">\n<p><span class=\"news-list-date\"><time datetime=\"2024-01-22\"> 22.01.2024 <\/time><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"teaser-text\">\n<p>Frauen, die vor geschlechtsspezifischer Gewalt fliehen, wurde in der Vergangenheit h\u00e4ufig die Anerkennung als Fl\u00fcchtling verweigert. Der Grund: Frauen als solche stellten keine soziale Gruppe gem\u00e4\u00df \u00a7 3b Abs. 1 Nr. 4 AsylG dar. Eine Grundsatzentscheidung des EuGH wird das voraussichtlich \u00e4ndern.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"news-text-wrap\">\n<p>Hintergrund der Entscheidung des EuGH (Urteil vom 16.01.2024 &#8211; C-621\/21 &#8211; WS gegen Bulgarien &#8211; asyl.net: <a href=\"https:\/\/www.asyl.net\/rsdb\/m32111\">M32111<\/a>) ist, dass eine Verfolgungshandlung grunds\u00e4tzlich nur dann zur Anerkennung der Fl\u00fcchtlingseigenschaft f\u00fchrt, wenn sie aufgrund eines der abschlie\u00dfend aufgez\u00e4hlten Verfolgungsgr\u00fcnde erfolgt (Art. 10 Abs. 1 Bst. d Qualifikationsrichtlinie oder Art. 1 Bst. A GFK, vgl. \u00a7 3b AsylG). Dabei kommt bei geschlechtsspezifischer Verfolgung insbesondere die Verfolgung aufgrund der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, n\u00e4mlich der sozialen Gruppe der Frauen, in Betracht. \u00a7 3b Abs. 1 Nr. 4 AsylG regelt, dass eine Verfolgung wegen der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe auch vorliegen kann, wenn sie allein an das Geschlecht oder die geschlechtliche Identit\u00e4t ankn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Gleichwohl sind deutsche (Ober-)Verwaltungsgerichte z.T. weiterhin der Auffassung gewesen, dass geschlechtsspezifische Verfolgungshandlungen gegen Frauen wie Zwangsheirat, h\u00e4usliche- oder sexualisierte\/sexuelle Gewalt regelm\u00e4\u00dfig nicht aufgrund der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer sozialen Gruppe erfolgten (siehe z.B. OVG Bremen, Beschluss vom 24.01.2023 &#8211; 1 LA 200\/21 &#8211; asyl.net: <a href=\"https:\/\/www.asyl.net\/rsdb\/m31543\">M31543<\/a>). Denn: F\u00fcr die Bestimmung einer sozialen Gruppe sei erforderlich, dass die Gruppe eine nach au\u00dfen abgrenzbare Identit\u00e4t aufweise und von der sie umgebenden Gesellschaft als andersartig betrachtet werde. Das sei bei Frauen per se nicht der Fall, da sie etwa die H\u00e4lfte der Gesellschaft ausmachten und von der sie umgebenden Gesellschaft eben nicht als andersartig wahrgenommen w\u00fcrden. Viele Gerichte haben die Fl\u00fcchtlingseigenschaft in F\u00e4llen geschlechtsspezifischer Verfolgung deshalb nur dann zuerkannt, wenn Betroffene Teil einer abgrenzbaren Untergruppe von Frauen waren, wie z.B. alleinstehende Frauen ohne m\u00e4nnlichen Schutz (<a href=\"https:\/\/www.asyl.net\/rsdb\/m31937\">M31937<\/a>) oder Frauen, die in ihrer Identit\u00e4t westlich gepr\u00e4gt sind (<a href=\"https:\/\/www.asyl.net\/rsdb\/m31777\">M31777<\/a>).<\/p>\n<p>Der EuGH hat in seinem Urteil ausgef\u00fchrt, dass bei der Auslegung der Verfolgungsgr\u00fcnde auch Istanbul Konvention zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung von Gewalt gegen Frauen zu ber\u00fccksichtigen ist. Das Urteil stellt klar, dass Frauen eines Herkunftslandes auch insgesamt und nicht nur als enger eingegrenzte Gruppe eine &#8222;bestimmte sozialen Gruppe&#8220; darstellen. Eine &#8222;deutlich abgegrenzte Identit\u00e4t&#8220; k\u00f6nne sich auch daraus ergeben, dass Frauen aufgrund geltender sozialer, moralischer oder rechtlicher Normen von der sie umgebenden Gesellschaft anders wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Laut EuGH k\u00f6nnen Frauen deshalb auch insgesamt als &#8222;bestimmte sozialen Gruppe&#8220; gem\u00e4\u00df Art. 10 Abs. 1 Bst. d Qualifikationsrichtlinie angesehen werden, wenn feststeht, dass sie in ihrem Herkunftsland aufgrund ihres Geschlechts physischer oder psychischer Gewalt, einschlie\u00dflich sexueller Gewalt und h\u00e4uslicher Gewalt, ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Frauen sind weltweit solcher Gewalt ausgesetzt. Daher ist zu hoffen, dass die hiesige Rechtsprechung dies nunmehr ber\u00fccksichtigt und Frauen, die vor geschlechtsspezifischer Gewalt fliehen, die Fl\u00fcchtlingseigenschaft erhalten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<hr \/>\n<h3><strong>Abbau der Menschenrechte von Gefl\u00fcchteten in Europa beschlossen!<\/strong><\/h3>\n<h5><strong>P\u00fcnktlich zu Weihnachten hat Europa eine bittere \u00dcberraschung f\u00fcr Gefl\u00fcchtete: Zuk\u00fcnftig wird es an den Au\u00dfengrenzen Schnellverfahren in Haftlagern geben. Und nicht einmal Kinder und Familien sind von dieser Unmenschlichkeit ausgenommen. So sieht es das verk\u00fcndete Ergebnis im \u201eTrilog\u201c von EU-Parlament, Mitgliedsstaaten und Kommission zum \u201eGemeinsamen Europ\u00e4ischen Asylsystem\u201c (GEAS) vor. Und das ist noch nicht alles: <\/strong><\/h5>\n<h5><strong><a href=\"https:\/\/proasyl.gu-marketingsuite.com\/Prod\/link-tracker?redirectUrl=aHR0cHMlM0ElMkYlMkZ3d3cucHJvYXN5bC5kZSUyRm5ld3MlMkZhYmJhdS1kZXItbWVuc2NoZW5yZWNodGUtdm9uLWdlZmx1ZWNodGV0ZW4taW4tZXVyb3BhLWJlc2NobG9zc2VuJTJGJTNGdXRtX3NvdXJjZSUzREFjdGl2ZUNhbXBhaWduJTI2dXRtX21lZGl1bSUzRGVtYWlsJTI2dXRtX2NvbnRlbnQlM0RXaXIlMkJzdGVoZW4lMkJ3aWVkZXIlMkJhdWYlMkJ1bmQlMkJtYWNoZW4lMkJ3ZWl0ZXIlMjUyMSUyNnV0bV9jYW1wYWlnbiUzRFNvbmRlcm1haWxpbmclMkJHRUFT&amp;sig=FC4ivcBUeXJLCwnD9Vj6jHg6bqB4ZrACnxSf5F2GbhEx&amp;iat=1703149383&amp;a=%7C%7C1000402738%7C%7C&amp;account=proasylde%2Eactivehosted%2Ecom&amp;email=qle8klQ%2F4cp2tKgHpBBSKPkPzdwvYHWZNY1pOE3YikZzLg%3D%3D%3AB2ugGJtZm2YnjdK%2F1928S3tHD26Jaw2H&amp;s=343c28e91603521d5118a91f9b0c2aa9&amp;i=677A955A2A8854\" data-ac-default-color=\"1\">Hier beschreiben wir das ganze Ausma\u00df der jetzt beschlossenen Verletzungen der Menschenrechte.<\/a><\/strong><\/h5>\n<\/div>\n<div>\n<hr \/>\n<\/div>\n<div>An<br \/>\n&#8211; Bundesministerin des Innern und f\u00fcr Heimat Frau Nancy Faeser<br \/>\n&#8211; Innenminister:innen der Bundesl\u00e4nder<br \/>\n&#8211; Deutsche Medien<br \/>\n10.11.2023<\/div>\n<h3><strong>Stopp der Abschiebungen von Ezidinnen und Eziden in den Irak<\/strong><\/h3>\n<p>Sehr geehrte Frau Ministerin Faeser,<br \/>\nseit einigen Wochen werden Ezidinnen und Eziden, die bislang im Besitz einer Duldung wa-<br \/>\nren, systematisch in den Irak abgeschoben &#8230; \u00a0<a href=\"https:\/\/incuxhaven.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Schreiben_Ministerin_final_10.11.2023.pdf\">Schreiben_Ministerin_final_10.11.2023<\/a><\/p>\n<div>\n<hr \/>\n<h3><strong>Das Chancen-Aufenthaltsrecht in der Beratungspraxis<\/strong><\/h3>\n<p>Arbeitshilfe zum Thema Flucht und Migration<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/incuxhaven.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Arbeitshilfe_Chancenaufenthaltsrecht_2023-Pari.pdf\">Arbeitshilfe_Chancenaufenthaltsrecht_2023 Pari<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<\/div>\n<div>Pressemitteilung der Landesfl\u00fcchtlingsr\u00e4te vom 24. November 2022<\/div>\n<h3><strong>Fl\u00fcchtlingsr\u00e4te: F\u00fcr eine qualifizierte Asylverfahrensberatung<\/strong><\/h3>\n<h5><strong>Fl\u00fcchtlingsr\u00e4te fordern bessere Standards und eine Einbeziehung auch von NGOs<\/strong><\/h5>\n<p align=\"justify\"><strong>Die Ampel-Koalition hat einen Entwurf zur Einf\u00fchrung einer bundesweiten beh\u00f6rdenunabh\u00e4ngigen Asylverfahrensberatung vorgelegt. Die Landesfl\u00fcchtlingsr\u00e4te kritisieren die Pl\u00e4ne der Bundesregierung und fordern ihre grundlegende Nachbesserung.<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Muzaffer \u00d6zt\u00fcrkyilmaz, Fl\u00fcchtlingsrat Niedersachsen<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>\u201eDie Pl\u00e4ne der Bundesregierung sind nicht geeignet, eine fachkundige Beratung von Gefl\u00fcchteten im Asylverfahren zu gew\u00e4hrleisten. Sie sind unzureichend finanziert und lassen zivilgesellschaftlichen Organisationen die Kosten f\u00fcr die Umsetzung einer staatlichen Aufgabe tragen. Zudem schlie\u00dfen die Pl\u00e4ne NGOs, die \u00fcber langj\u00e4hrige Expertise in der Arbeit mit Gefl\u00fcchteten verf\u00fcgen, grunds\u00e4tzlich von einer Beteiligung an der Asylverfahrensberatung aus und benachteiligen sie dadurch gegen\u00fcber den Wohlfahrtsverb\u00e4nden.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">hier geht&#8217;s weiter: <a href=\"https:\/\/www.nds-fluerat.org\/54876\/aktuelles\/fluechtlingsraete-fuer-eine-qualifizierte-asylverfahrensberatung\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\/\/www.nds-fluerat.org\/54876\/aktuelles\/fluechtlingsraete-fuer-eine-qualifizierte-asylverfahrensberatung\/<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h3><strong>Aktuelles zum Asylverfahren f\u00fcr <\/strong><strong>Ukrainer*innen<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nds-fluerat.org\/52256\/aktuelles\/ukraine-aktuelle-informationen\/\"><strong>https:\/\/www.nds-fluerat.org\/52256\/aktuelles\/ukraine-aktuelle-informationen\/<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Wichtige Infos zu Einreise und Verbleib in Deutschland f\u00fcr Ukrainer*innen<\/strong><\/h3>\n<p><a href=\"https:\/\/www.proasyl.de\/news\/wichtige-infos-zur-einreise-und-verbleib-in-deutschland-fuer-ukrainerinnen\/?utm_source=ActiveCampaign&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=Fluchtwege+offenhalten%3A+PRO+ASYL+zum+Krieg+gegen+die+Ukraine&amp;utm_campaign=Fluchtwege+offenhalten%3A+PRO+ASYL+zum+Krieg+gegen+die+Ukraine%21&amp;vgo_ee=Gn0UkY3jJHWC6RuTiSbAXWk20kkAZay2C%2FJNq%2BJ67FU%3D\">https:\/\/www.proasyl.de\/news\/wichtige-infos-zur-einreise-und-verbleib-in-deutschland-fuer-ukrainerinnen\/?utm_source=ActiveCampaign&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=Fluchtwege+offenhalten%3A+PRO+ASYL+zum+Krieg+gegen+die+Ukraine&amp;utm_campaign=Fluchtwege+offenhalten%3A+PRO+ASYL+zum+Krieg+gegen+die+Ukraine%21&amp;vgo_ee=Gn0UkY3jJHWC6RuTiSbAXWk20kkAZay2C%2FJNq%2BJ67FU%3D<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<h4><strong>L\u00e4nderberichte des BAMF<\/strong><\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/article>\n<p><a href=\"https:\/\/incuxhaven.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/20223003_BAMF-BriefingNotes-KW13-2022_20222803.pdf\">20223003_BAMF-BriefingNotes-KW13-2022_20222803<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerichte sehen Leistungsausschluss in Dublin-F\u00e4llen als rechtswidrig an: Es gibt schon \u00fcber 40 positive Gerichtsentscheidungen. Der St\u00e4dte- und Gemeindebund empfiehlt seinen Mitgliedskommunen, diese zu ignorieren und rechtswidrig zu handeln. Liebe Kolleg*innen, immer h\u00e4ufiger streichen Sozial\u00e4mter in Dublin-F\u00e4llen die AsylbLG-Leistungen gem. \u00a7 1 Abs. 4 Nr. 2 AsylbLG vollst\u00e4ndig. 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